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Donnerstag, 4. November 2010

Tolle Presse

Was einem nicht so alles auffällt, wenn man sich durch die Seiten diverser Magazine klickt...so kann die Meldung eines Triebwerkausfalls und einer damit verbundenen Notlandung einer großen Passagiermaschine ganz ungeahnte katastrophale und reißerische Ausmaße annehmen. Hier die Meldung von der Homepage des Spiegel...

Und im Vergleich dazu die Aufmachung über den gleichen Vorfall auf der Seite unserer heiß geliebten Bild. Wenn Phillip Lahm sie aber liest, müssen die definitiv recht haben.


So viel zum Thema "Bild dir deine Meinung"...

Aktuelle Lektüre: Jonathan Littell: "Die Wohlgesinnten"

Sonntag, 18. April 2010

Solidarität für das Wuppertaler Schauspiel


In Wuppertal brodelt es. Vor drei Wochen waren tausende Menschen auf der Straße, demonstrierten, protestierten, machten ihrem Ärger Luft. Zum Welttheatertag am 28. März hatten über 50 Bühnen aus ganz Deutschland Abordnungen in die Stadt Wuppertal geschickt, um sich an den Protesten und Kundgebungen zu beteiligen. Der Grund: Wuppertal ist hoch verschuldet und muss dementsprechend Einsparungen vornehmen. Diesen Maßnahmen soll auch das Wuppertaler Schauspielhaus zum Opfer fallen, zahlreiche Arbeitsplätze wären damit in Gefahr. Über 5.000 Menschen bildeten eine Kette, Schüler sangen "Es ist vorbei-bei-bei Wuppertal", viele trugen gelbe T-Shirts.

Lesungen, Ausschnitte aus Stücken, Videoeinspielungen, szenische Darbietungen - die bisher größte Souveränitätsaktion deutscher Bühnen seit langem vereinte auch namhafte und aktuelle Produktionen wie die umstrittene Hartz-IV Inszenierung aus Volker Löschs "Marat was ist aus unserer Revolution geworden" aus Hamburg, in dem Hartz-IV-Empfänger auf der Bühne eine Liste der reichsten Hamburger samt ihres Einkommens verlesen, ebenso die aus Köln angereisten "Kontrakte des Kaufmanns" von Elfriede Jelinek, auch das Wuppertaler legendäre Tanztheater von der kürzlich verstorbenen Pina Bausch war mit von der Partie. Armin Rhode kam auf dem Motorrad vorbei und sprach vor der versammelten Menge, warnte vor den Folgen, die "Seele einer Stadt" zu schließen. "Macht euch klar, was damit passiert!" Regisseur Roger Vontobel trug beim Schlussapplaus der Premiere seines "Don Carlos" in Dresden ein Solidaritäts-T-Shirt und setzte damit ebenfalls ein Zeichen.


In den von der Finanzkrise gebrandmarkten Zeiten fallen derzeit überall kulturelle Projekte und Einrichtungen den Einsparungen zum Opfer. Ein städtisches Theater zu schließen, hat sich aber bisher noch niemand getraut. Darum blickt derzeit die deutsche Bühnenwelt nach Wuppertal, denn die Schließung des Schauspiels könnte einen schrecklichen Dominoeffekt zur Folge haben. Ein schleichender Tod? Vielleicht kann doch noch etwas erreicht werden, doch die Situation bleibt angespannt. Wuppertal ist nicht das einzige Theater, das von den Etatkürzungen bedroht ist. Die Intendanten werden jedenfalls auf die Barrikaden gehen und überlegen, wie man sich am Besten dagegen wehren kann. Vielleicht gibt es ja noch Hoffnung...

Aktuelle Lektüre: Johann Wolfgang von Goethe: "Die Wahlverwandtschaften"

Freitag, 27. Februar 2009

"Außer Kontrolle" unter Kontrolle

Tataaa, es ist geschafft, die Premiere ist über die Bühne gebracht und es hätte eigentlich nicht besser laufen können. Vor ausverkauftem Saal haben wir unsere Produktion zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert und sind ziemlich gut angekommen, wie auch das anschließende Feedback bestätigte. Das Publikum war sehr gut gelaunt und hat richtig abgefeiert und uns auch mal wieder lustige Stellen gezeigt, die wir vorher noch gar nicht so witzig fanden. Kleinere Texthänger oder Patzer konnten wir prima überspielen und es ist auch nichts wirklich schief gelaufen. Hoffentlich geht das weiter so. Auch die anschließende Premierenfeier war sehr schön, Sekt und Wein, Knabberbuffet und Suppe inklusive.

Die Mainpost hat bereits eine Kritik auf der Homepage veröffentlicht, morgen wird diese wohl auch in der Zeitung stehen. Wer sich das Stück "Außer Kontrolle" im chambinzky-Theater noch ansehen will, hat ab heute bis zum 28.März noch 22 Mal die Gelegenheit. Folgend die Kritik:

Minister auf amourösen Abwegen

Viel Spaß mit Ray Cooneys „Außer Kontrolle“ im Würzburger Chambinzky

Sie haben diebische Freude daran, zu sehen, wie sich honorige Politiker durch verbotene Fleischeslust und absurde Lügengeschichten beinahe ihre glanzvolle Karriere zerstören? Wie sie dann gezwungen sind, sich ihren guten Ruf mit Schmiergeld zu erhalten? Dann heißt es auf ins Würzburger Theater Chambinzky, in die quirlige Inszenierung von Ray Cooneys Polit-Komödie „Außer Kontrolle“.

Richard Willey (Wolfgang Stenglin), als seriöser Staatsminister natürlich verheiratet, begibt sich in einer Hotelsuite auf amouröse Abwege. Und das ausgerechnet mit mit Jane (Daniela Vassileva), der Sekretärin des Oppositionsführers. Doch eine gänzlich unerwartet über dem Fensterrahmen hängende Leiche stört ihr heimliches Schäferstündchen empfindlich. Die Skandal-Schlagzeile „Staatsminister bei Sex-Orgie mit Sekretärin und Leiche erwischt!“ vor Augen, verstrickt sich Willey in immer unglaublichere Ausflüchte und stürzt sich und seinen rührigen Sekretär George Pigden (Christian Steinberger) ins nicht enden wollende Chaos.

„Außer Kontrolle“ hätte seinen Titel kaum verdient, wenn dann nicht noch Janes rasend eifersüchtiger Mann Ronnie (Bernd Stollberger), eine resolute Hotelmanagerin (Dagmar Schmauß), ein mit allen Wassern gewaschener Etagenkellner (Heinrich A. Moelliot) und Willeys biedere Frau Pamela (Ursula Seebode) die Bühne beträten. Nicht zu vergessen die schnuckelige, doch gestrenge Krankenschwester Gladys (Katharina Miebach), die auf den armen George auch nicht gerade Blutdruck senkend wirkt . . .

Regisseur Manfred Plagens und sein Ensemble servieren dem Publikum leichte, reichlich überdrehte Komödienkost mit satirischen Ansätzen. Slapstick-Einlagen nach dem Motto „Versteck dich im Wandschrank, auch wenn die Tür nicht zu bleibt“ oder „Benutze stets das Fenster, das immer zu fällt“ fehlen dabei ebenso wenig wie ein Totentänzchen der etwas anderen Art.

Die Darsteller meistern mühelos die pointenreichen Dialoge. Besonders Christian Steinberger als nur anfänglich kreuzbiederer Staatssekretär kann begeistern. Und Michael Schwemmer legt als scheintoter Detektiv eine unglaubliche Gelenkigkeit an den Tag. Freunde temporeicher, witziger Dialoge, haarsträubender Handlungskapriolen und vereinzelt auftretender Brachialkomik kommen bei der munteren Inszenierung bestimmt auf ihre Kosten.

Jetzt gibt es vorerst keinen Countdown mehr, aber da wird sich bald was neues finden.

Aktuelle Lektüre: Muriel Barbery: "Die Eleganz des Igels".

Dienstag, 24. Februar 2009

In die Woche mit...Gustave Flaubert

Heute ist zwar schon Dienstag, aber es ist trotzdem noch Zeit für den Start in die neue Woche mit einem Zitat. Am Faschingsdienstag erreichen die Narreteien im Land ihren Höhepunkt, bevor sie am morgigen Aschermittwoch endlich zu Ende gehen und uns erst nächstes Jahr wieder auf die Nerven fallen können. Laut Presse waren bis zu 80.000 Menschen auf dem diesjährigen Umzug und wurden Zeuge, wie der alljährliche Sturm aufs Rathaus statt fand und sich Bürgermeister Georg Rosenthal dem anschließenden Wettbewerb, bei dem man unter anderem ein Fass die Domstraße hinaufrollen muss, stellen musste.

Eine traurige Nachricht ging heute durch die Popszene und die Presse: musikalisches Mastermind und Produzent der Gruppe "Deichkind", Sebastian "Sebi" Hackert, ist am vergangenen Samstag im Alter von 32 Jahren völlig unerwartet gestorben, er hinterlässt eine Frau und einen Sohn. "Deichkind" verdankt dem Musiker, der seit 1997 Mitglied der Gruppe ist, seinen typischen elektronisch erscheinenden Sound. Die Todesursache ist bisher noch unklar.

Die Premiere von "Außer Kontrolle" rückt mittlerweile in greifbare Nähe, übermorgen ist es nun soweit. Gestern war die erste Hauptprobe direkt auf der Bühne im Theater Chambinzky. Wir waren ziemlich nervös und aufgeregt, die Kulissen standen alle ein wenig anders, die Auf- und Abgänge waren neu und ungewohnt, wir bezogen die Garderobe und waren besonders zu Beginn des Durchlaufs ziemlich hektisch und angespannt, was zu einigen Patzern und Verwischungen führte. Aber so soll es ja sein, es muss ja bis zuletzt spannend bleiben und der heutige zweite Hauptprobentermin wird mit Sicherheit besser ausfallen.

Zu Wort kommt heute Gustave Flaubert.

Erfolg ist eine Folgeerscheinung, er darf nie zum Ziel werden.

Noch 2 Tage bis zur Premiere von "Außer Kontrolle".

Aktuelle Lektüre: Muriel Barbery: "Die Eleganz des Igels"