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Samstag, 29. Dezember 2018

Filmkritik: "Mary Poppins Rückkehr"

Dank der Traumfabrik Disney ist sie seit 1964 wohl das berühmteste Kindermädchen aller Zeiten, ihre Schattensilhouette mit Regenschirm, Hütchen Zaubertasche und den charakteristisch gespreizten Füßen hat Generationen von Kindern verzaubert und beim Großwerden begleitet. Mary Poppins verdanken wir die augenzwinkernd geäußerte, aber ernst zu nehmende Mahnung, das innere Kind nie zu vergessen oder zu negieren und sicherlich hat jeder, der den Film liebte, schon mal in einem unbeobachteten Moment versucht, durch Fingerschnippen das Zimmer aufzuräumen oder den gemeinen Lehrer durch einen Lachanfall an die Decke schweben zu lassen. Ein wenig Neid verspürte man wahrscheinlich auch gegenüber den Kindern Jane und Michael, denen das hohe Glück zuteil wurde, mit einer so coolen erwachsenen Freundin in Kreidebilder zu hüpfen, Trickfilmtiere zu treffen oder über die Dächern der nachtruhenden Stadt zu tanzen. Und hätte es Richard M. Sherman und Robert B. Sherman nicht gegeben, wären wir um ein paar Ohrwürmer ärmer, um nur exemplarisch "Chim Chim Cheree" und "Superkalifragilistikexpialigetisch" zu nennen. 

Quelle: filmstarts.de
Nun läuft, passend zur Weihnachtszeit, "Mary Poppins Rückkehr" in den Kinos an. Auch wenn die Trailer vorab überzeugten und neugierig machten, so stellt man sich doch die kritische Frage, ob dieser Film es schafft, mit einem Klassiker, der sich nun schon über 50 Jahre lang hält, Schritt zu halten oder ob das Sequel nur zu einem kommerziellen qualitativ schlechteren zweiten Teil gerät. Das Regieteam um Rob Marshall und Filmkomponisten Marc Shaiman und Scott Wittman sind wohl erkennbar selbst mit der ersten Mary Poppins groß geworden und auch die restliche Crew wie Ausstatter, Requisiteure, Beleuchter und Kostümbildner scheinen sich mit der Mitwirkung an diesem Film einen Kindheitstraum erfüllt zu haben, die zauberhafte Welt der Poppins wieder zum Leben zu erwecken. 

Wie der erste Teil basiert auch die Fortsetzung auf einem Roman von P.L. Travers. Jane und Michael, die Kinder aus dem ersten Teil, sind mittlerweile erwachsen geworden, Michael hat selbst Kinder, die aber keine unbeschwerte Kindheit wie einst ihr Vater und ihre Tante genießen können, denn vor einem Jahr verstarb die Mutter der drei und sie müssen im Haushalt entsprechend viel Verantwortung mittragen. Zusätzlich ist das schmucke Anwesen im Kirschbaumweg 17 von der Pfändung bedroht, weil Michael Banks Schulden hat. Als einziger Ausweg bleibt ein Anteilsschein seines Vaters, der aber bis zum Ende der Woche bei der Bank vorgelegt werden muss, sonst muss die Familie das Haus räumen. Wie gerufen taucht in diese Krisenstimmung Mary Poppins auf und nimmt die Kinder unter ihre Obhut. Doch auch das "Kind" Michael Banks findet dank ihr wieder zu seinem inneren Jungen zurück...

Die bunte Wundertüte, in die uns Mary Poppins entführt, läuft wieder über vor knalligen, poppigen und verrückten Ideen, aber erfreulicherweise stets ohne den ersten Teil nur zu kopieren. Das ungeliebte Baden gerät zu einem verrückten Ausflug ins Meer, direkt durch eine schier bodenlose Badewanne, in der Keramikschale der verstorbenen Mutter warten Trickfilmtiere und ein waghalsiges Kutschenrennen und die berühmten Schornsteinfeger werden durch die tanzenden Laternenanzünder anzitiert - man bekommt sofort Lust, durch ein nebliges nächtliches London zu tanzen. Emily Blunt verleiht der Mary Poppins eine liebevolle, eigene und charmante Note, es hätte ja auch zu plump gewirkt, Julie Andrews nachmachen zu wollen. Die Musik greift die Stimmung des Klassikers gekonnt auf und setzt neue Akzente, es gibt zudem ein Wiedersehen mit Dick van Dyke in einer Gastrolle, Meryl Streep hat einen Auftritt, dem sie sich mit sichtlich kindlicher Begeisterung hingibt und auch im zweiten Teil wird geflogen, an die Decke gegangen, gesteppt, das Treppengeländer hochgerutscht, der Admiral knallt wieder Kanonenkugeln vom Dach und vieles mehr. Disney wird mit diesem Film wieder seinem unvergesslichen und einzigartigen magischen Zauber gerecht und mahnt uns, die eigenen Spinnereien und Kindereien nicht völlig aufzugeben - Walt hätte dies sicher unterschrieben. Erfreulicherweise klappt auch die Verbindung moderner Spezialeffekte mit klassischen Trickfilmfiguren oder wunderbar choreografierten Tanzszenen. Und gesungen wird auch eine Menge, aber das ist eben typisch Mary Poppins und typisch Disney. Eine Reise in eine altbekannte Wunderwelt, der man sich nur zu gerne hingibt und am Ende mit einem flauen Gefühl im Magen feststellen muss, dass es Zeit ist, sich von Mary Poppins wieder verabschieden zu müssen, wenn der Wind sich gedreht hat.

Aktuelle Lektüre: Giancarlo de Cataldo & Carlo Bonini: "Suburra"

Zuletzt gesehene Serie: "Better call Saul" (Netflix)

Sonntag, 28. März 2010

Wundertüte, knallbunt


Tim Burton ist wieder mal seinem eigenen Genre gerecht geworden und liefert mit seinem neuen Film "Alice im Wunderland" ein neues farbenfrohes, bizarres und schräges Fantasyspektakel. Selbstverständlich sind wieder Helena Bonham Carter und Johnny Depp von der Partie und wie immer, wenn Tim Burton einen Film macht, ist Danny Elfman nicht weit und sorgt mit dissonanten Gruselchören, Violinen und tiefer Orchestermusik für den nötigen zauberhaften Soundtrack. Sich dieses farbenfrohe und zugleich düstere Effektfeuerwerk in 3D anzusehen, lohnt dabei umso mehr.

Zudem ist interessant, dass Tim Burton die Geschichte nicht einfach neu-, sondern vielmehr weitererzählt. Die Alice in seinem Film ist kein kleines niedliches Mädchen, sondern eine junge Frau, die sich langsam in die steifen Konventionen der englischen Gesellschaft fügen muss - zumindest, wenn es nach ihrer Familie geht. Doch kurz bevor ihre Verlobung bekannt gegeben werden soll, taucht ein kleines weißes Kaninchen auf, dass hektische Blicke auf eine Taschenuhr wirft. Alice folgt diesem bis zu einem Baum und fällt dort in ein tiefes Loch, dass die direkt ins Wunderland führt. Dort warten nicht nur die allseits bekannten Gestalten auf sie wie der verrückte Hutmacher, die Grinsekatze und die böse Herzkönigin, Alice wird sich auch bald bewusst, dass sie bald etwas zu Ende bringen und ihrer Bestimmung folgen muss...

Sprechende Mäuse und Hunde, rauchende Raupen, eine cholerische Herzkönigin mit Wasserkopf, der schrullige Hutmacher, die dicken Zwillinge Tweedledee und Tweedledum (gespielt von "Little Britain"-Star Matt Lucas) und eine verträumte Anne Hathaway als Weiße Königin - wunderbare Zutaten für einen zauberhaften Film. Trotz Neuinterpretation bleibt die Persiflage auf die steife Gesellschaft Englands noch immer spürbar und Kenner des Buches oder des Disneytrickfilms können sich auf einige Überraschungen gefasst machen. Stimmig, dunkel, schräg und magisch, Tim Burton bleibt einfach unglaublich gut.

Aktuelle Lektüre: Helene Hegemann: "Axolotl Roadkill"

Montag, 8. März 2010

Verwirrspiel auf der Insel


Und wieder einmal hat sich Martin Scorsese mit Leonardo di Caprio zusammen getan und einen neuen Film produziert, hatten die beiden doch bereits schon bei "Gangs of New York" oder zuletzt "The Departed - Unter Feinden" miteinander das Vergnügen. In dem düsteren Psycho-Thriller begibt sich di Caprio in der Rolle des US-Marshals Edward Daniels, von vielen auch "Teddy" genannt, auf die Insel Shutter Island. Diese beherbergt eine geschlossene Heilanstalt für psychisch kranke Schwerverbrecher und obwohl die Überwachung und die Sicherheitsmaßstäbe vom Allerfeinsten zu sein scheinen, ist es doch einer Patientin gelungen, aus ihrer Zelle auszubrechen. Diese soll nun Teddy zusammen mit seinem Partner Chuck suchen. Doch schon bald stößt dieser bei seinen Recherchen auf einige Widersprüche und dunkle Geheimnisse, etwa den Hinweis auf verbotene Experimente an den Patienten. Zudem soll sich noch ein gewisser Andrew Laediss in einem Zellentrakt befinden, ein Mann, der am Tod von Teddys Frau und Kindern erhebliche Schuld gehabt haben soll. Während sich über der Insel ein Hurrikan zusammenbraut und für das erste eine Rückkehr auf das Festland unmöglich macht, stürzt Teddy nicht nur immer tiefer in seine eigenen paranoiden Anfälle, sondern auch in das dunkle Geheimnis von Shutter Island...

Der Film ist gut, aber Scorsese kann auch besser. Trotzdem ist "Shutter Island" sehenswert. Das liegt zum einen an der schön erzeugten gruseligen Atmosphäre, den düsteren Bildern und dem stimmungsvollen Setting, zum anderen aber auch an der tollen Wendung, die der Film auf einmal vollführt und den Zuschauer vollkommen überrascht. Di Caprio spielt toll, Mark Ruffalo ebenfalls, Max von Sydow und Patricia Clarkson überzeugen in ihren Nebenrollen. Nicht zuletzt wird auch mit der Idee gespielt, ab wann man noch als Mensch und wann bereits als Monster gilt. "An diesem Ort frage ich mich: was wäre schlimmer - zu leben wie ein Monster oder als guter Mann zu sterben?"

Aktuelle Lektüre: Daniel Pennac: "Au bonheur des ogres"

Donnerstag, 28. Januar 2010

"Invictus" - wie Sport vereint


Wie nah beieinander Sport und Politik doch liegen können, zeigt derzeit der eindrucksvolle Film "Invictus" mit Morgan Freeman und Matt Damon in den Hauptrollen. Nachdem Nelson Mandela nach langen 27 Jahren endlich aus dem Gefängnis entlassen wurde und die Präsidentschaft von Südafrika angetreten hat, muss er noch mit den großen Problemen der Apartheid kämpfen und sieht sich zahlreichen Stolpersteinen ausgesetzt. So scheint es seinen Mitmenschen zu Beginn auch äußerst seltsam, dass sich Mandela neben den politischen Aufgaben auch mit besonders auffallendem Interesse der Rugby-Nationalmannschaft Südafrika, den Springboks widmet. Das Team um Kapitän Francois Pienaar genießt vor allem bei der dunkelhäutigen Bevölkerung keinen besonders guten Status, es gibt bereits Ideen und Pläne, die Gruppe und ihr Zeichen abzuschaffen, sind sie doch alle weiß, mit Ausnahme eines Spielers. Nelson Mandela verhindert nicht nur die Sprengung des Teams, sondern greift der Mannschaft auch besonders unter die Arme, denn schließlich stehen die Weltmeisterschaften an...

Nicht nur Morgan Freeman beeindruckt durch sein leicht großväterliches, weltmännisches und zugleich respektvolles Auftreten, sondern auch die raffinierte Verbindung der sportlichen und der politischen Welt geben "Invictus" einen besonderen Schliff, zumal eine solche Perspektive auf einen der berühmtesten Männer der Welt eine ganz besondere Annäherung an Mandelas große Persönlichkeit ermöglicht. Außerdem hat sich diese Geschichte ja wirklich zugetragen - von Clint Eastwood als Regisseur wurde sie nun filmisch umgesetzt. Zwar klingt an einigen Stellen ein wenig zu viel amerikanischer "you-have-to-fight-for-your-dream"-Kitsch durch, aber noch in erträglichen Maßen. "Invictus" zeigt auf ergreifende Weise, wie der Friedensnobelpreisträger sein Volk durch den Sport zusammenführte und zeigt außerdem auf, wie jung, dynamisch und interessant die Geschichte Südafrikas noch ist. Alleine die Vorstellung, dass Nelson Mandela 27 Jahre im Gefängnis verbrachte und trotzdem mit einer solchen Energie und einem Elan in das Leben jenseits der Gitter zurückkehrte, ist beachtlich. Sehenswert.

Aktuelle Lektüre: John Updike: "Die Hexen von Eastwick"

Montag, 4. Januar 2010

Avatar - Aufbruch nach Pandora


Mit "Titanic" hat er sich endgültig Rang und Namen in der Filmewelt verschafft, jetzt bringt er sich erneut ins Gespräch, dieses Mal mit dem wohl teuersten Film aller Zeiten: etwa 500 Millionen Dollar soll "Avatar - Aufbruch nach Pandora" gekostet haben. Der aufwendig produzierte Streifen erreichte bereits in den USA rekordverdächtige Besucherzahlen und kommt auch im europäischen Raum nicht schlecht weg. Über eine Milliarde Dollar soll das fast dreistündige Werk bereits eingespielt haben.

Hauptfigur der Handlung ist der Soldat Jake Sully, seit einigen Jahren an den Rollstuhl gefesselt. Nach dem Tod seines Zwillingsbruders erhält er die Möglichkeit, zum weit entfernten Planeten Pandora zu reisen, um dort an Stelle seines verstorbenen Bruders in einen sogenannten Avatar zu schlüpfen, einen nachgezüchteten Körper der Ureinwohner Pandoras, der Na'vi. Da die Luft auf Pandora für Menschen innerhalb weniger Minuten tödlich ist, können sie mithilfe aufwendiger Technik in diese Körper schlüpfen; während der menschliche Körper in einer Art High-Tech-Bett ruht, kann der Körper des Avatar mental über Sensoren gesteuert werden. Die Mission, die Jake ausführen soll, ist auch keine leichte: er soll in einem Körper der Na'vi die Ureinwohner des Planeten auskundschaften, ihr Leben und ihre Kultur erforschen und kennen lernen. Dies soll vor allem dazu dienen, an das heiß begehrte Unobtainium zu gelangen, einem Rohstoff, wertvoller als Gold, dessen größtes Vorkommen sich ausgerechnet unter dem Dorf der Na'vi befindet. Durch einen Zufall macht Jake Bekanntschaft mit der schönen Neytiri und tritt mit ihrer Hilfe in Kontakt mit einer vollkommen fremden Kultur, die im Einklang mit der Natur auf Pandora lebt. Es kommt, wie es kommen muss, denn sehr bald wird Jake vor die Wahl gestellt, auf welcher Seite er denn kämpfen soll...

Zugegeben, die Handlung ist nicht unglaublich neuartig, kann aber mit kleinen Wendungen und unerwarteten Ereignissen überraschen. Die fast drei Stunden Film vergehen jedenfalls wie im Flug und Längen gibt es so gut wie keine. Das liegt wahrscheinlich auch an der wirklich atemberaubenden Welt von Pandora, die James Cameron und sein Team geschaffen haben, die der fabelhaften Flora und Fauna von Mittelerde aus Peter Jacksons "Der Herr der Ringe" ernsthafte Konkurrenz machen kann. Die Illusion und die Effekte sind so makellos, aufwendig und beeindruckend, dass der Zuschauer sehr schnell vergisst, dass der ganze Zauber lediglich aus zahlreichen Bits und Bytes besteht, ist der Film doch fast gänzlich am Computer entstanden. Zahlreiche Jahre mussten ins Land ziehen, bis James Cameron seinen Traum verwirklichen konnte, erste Ideen zu "Avatar" soll er bereits während der Dreharbeiten von "Terminator" gehabt haben.

Der Film wirft auch einige Fragen auf, jedoch ohne den mahnenden Finger zu erheben. Wie weit darf der Mensch eigentlich gehen? Lässt sich Zivilisation einfach definieren? Wie viel darf man sich mit der Natur eigentlich erlauben? Noch nie gesehene Pflanzen, Kreaturen, eine üppige Flora und Fauna und eine faszinierende Kultur der Na'vi, gepaart mit einem wahren Feuerwerk an Effekten, wunderbaren Bildern und einem wunderbar passenden Soundtrack lassen den Film neue Maßstäbe setzen. Die Musik stammt aus der Feder von James Horner, der bereits für "Titanic", "Braveheart" oder "A Beautiful Mind" verantwortlich zeichnete. Ein Meisterwerk und ein Meilenstein in der Filmgeschichte, den man, sollte man die Möglichkeit haben, unbedingt in 3D sehen sollte. Vielleicht wird sich auch bald um "Avatar" eine Fangemeinde gründen, jedenfalls kann man im Internet bereits die Sprache der Na'vi erlernen...

Aktuelle Lektüre: Andreas Franz: "Unsichtbare Spuren"

Dienstag, 22. Dezember 2009

Magic Happens N° 3

Und wieder einmal gibt es ein weiteres Video aus der Werbekampagne für die magische Welt von Disney. Dieses Mal sehen wir ein älteres Pärchen bei einem nachdenklichen Moment - was die Jury in Cannes sichtlich beeindruckte und dem Commercial die Silbertrophäe einbrachte.



In diesen Tagen startet im Kino auch ein neuer Film aus der Traumfabrik, was vor allem die ein wenig älteren Disneyfans interessieren könnte. Während die jüngeren Generationen von Disney eigentlich nur noch die animierten Abenteuer à la "Findet Nemo" und "Toy Story" kennen dürften, sowie die eckigen und knallbunt gestalteten Figuren aus Filmen wie "Herkules" oder "Ein Köngreich für ein Lama", die doch alle relativ flach waren, erinnert man sich noch gerne an die wirklich bewegenden und liebevoll gestalteten Streifen wie "Der König der Löwen", "Die Schöne und das Biest" oder "Das Dschungelbuch". Dass es schon lange keinen Film mehr in dieser Machart gab, scheinen wohl auch die Produzenten und Zeichner von Disney endlich einmal gemerkt zu haben und bringen nun nach mehrjähriger Arbeit "Küss den Frosch" ins Kino. Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich um eine recht freie Version des Märchens "Der Froschkönig", aber der alte Disneycharme dürfte wieder begeistern: handgezeichnete Figuren wie aus den Zeiten von einst, schöne Bilder, sprechende Tiere und natürlich Songs und Musik. Weitere Neuerung, wir werden ja modern: die erste dunkelhäutige Disneyprinzessin. Für die Weihnachtstage könnte sich ein Kinobesuch also lohnen...

Aktuelle Lektüre: Mathias Malzieu: "La Méchanique du Coeur"

Freitag, 4. Dezember 2009

Le Concert


Wohl einer der besten Filme des Jahres ist der derzeit in Frankreich zu sehende Kinofilm "Le Concert", unter anderem mit der Schauspielerin Melanie Laurent, die zuletzt als nach Rache sinnende Kinobesitzerin in "Inglorious Basterds" zu sehen war. Der Russe Andrej Filipov war einst einer de größten Dirigenten seiner Zeit, wurde aber während eines Konzertes öffentlich gedemütigt und seines Amtes enthoben, weil er unter anderem mit den Juden solidarisierte. Seit da an fristet er als Putzmann sein Dasein im Moskauer Bolschoi-Theater, bis ihm eines Tages ein Fax in die Hände fällt: eine Einladung des "Théâtre du Châtelet" nach Paris! Weil Filipov der Meinung ist, dass das wirkliche Bolschoi-Orchester zu nichts taugt, setzt er alles daran, seine alten Freunde aus seiner Zeit als Dirigent zusammen zu trommeln, um an Stelle des echten Orchesters nach Paris zu fahren. Alles streng geheim natürlich. Doch Filipov begibt sich damit nicht nur auf eine Reise in den so heiß geliebten Westen und das faszinierende Paris, sondern auch auf eine Reise zurück in seine eigene Vergangenheit. Und schon bald stellt sich heraus, dass es da noch einige Hindernisse gibt, bevor die Russen ihre Füße auf französischen Boden setzen dürfen...

Mit einer herzerwärmenden Leichtigkeit, einer ordentlichen Portion Charme und einer kaum beschreibbaren Gabe, mit der Kamera kulturelle Klischees und zwischenmenschliche Eigenheiten aufzufangen, machen den Film zu einem unglaublichen Erlebnis, alleine das Leuchten in den Augen der alteingesessenen Musiker, die zusammengetrommel werden, ist schon einen Filmbesuch wert. Ein definitives Highlight des Kinojahres 2009 und wir dürfen hoffen, dass auch bald eine deutsche Übersetzung des Films anläuft.

Aktuelle Lektüre: Eric-Emmanuel Schmitt: "Odette Toulemonde et autres histoires"

Mittwoch, 11. November 2009

Das weiße Band


Wer "Das weiße Band" im Kino sehen will, darf sich keinen normalen Film erhoffen, nach dem man einfach so abschalten und aus dem Kino gehen kann. Denn wer den Regisseur Michael Haneke kennt, der weiß, dass seine Werke stets verstören, Fragen stellen und verwirren. Zuletzt sorgte er für Furore mit dem Remake seiner Gewaltstudie "Funny Games" mit Naomi Watts in der Hauptrolle, in der zwei in Golfanzügen gekleidete Jugendliche eine Familie der Reihe nach auf grausame Weise foltern, quälen und töten.

Gewalt ist auch das Thema in "Das weiße Band". Ein kleines Dorf kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs: eine Reihe seltsamer Ereignisse hält die Bevölkerung in Atem. Zuerst spannt jemand ein Drahtseil über das Grundstück des Doktors, weswegen wer mit seinem Pferd einen Unfall erleidet und lange ins Krankenhaus muss. Dann bricht wenige Tage später eine Frau durch den morschen Boden des Sägewerks und stirbt und kurz darauf wird der Sohn des Barons, Sigi, entführt und misshandelt, blutend und gefesselt wieder gefunden. Wer steckt hinter diesen seltsamen Taten? Wer ist für diese Unfälle und Missetaten verantwortlich? Der Lehrer des Dorfes (Theaterstar Christian Friedel in seiner ersten Filmrolle), der gleichzeitig als Erzähler der Geschichte fungiert, versucht, auf eigene Faust zu ermitteln und stößt sehr bald auf den Missfallen einiger Dorfbewohner. Schon nach wenigen Minuten merkt der Zuschauer, das die Bewohner fast alle einen Knall zu haben scheinen und der Blick hinter die häuslichen Fassaden gibt oft anstößige und schockierende Geheimnisse Preis, wie das sadistische Verhalten als Familienvater seitens des Pastors. Die strenge Kleidung und die zugeknöpfte Art, das Unterdrücken von Gefühlen und die verschiedenartigen Ausübungen von Gewalt, die wie alte Gouvernanten wirkenden Mädchen und die verängstigten kleinen Kindermienen schaffen eine bedrückende und ungemütliche Atmosphäre.

Schon bald erahnt der Zuschauer, wer hinter diesen Taten stecken kann, aber eine definitive Antwort gibt der Film nicht. Bizarr, bedrückend, beängstigend und ungewohnt neu, in schwarzweiß gefilmt, was wie ein lebendig gewordenes Foto aus Großmutters Album wirkt, hinterlässt "Das weiße Band" einen verwirrten, ratlosen Zuschauer und man hat für den Rest des Abends auf jeden Fall noch reichlich Diskussionsbedarf. Sicherlich sehenswert, weil so anders und neuartig, so fremd und so seltsam.

Aktuelle Lektüre: Marlen Haushofer: "Die Wand"

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Le petit Nicolas - Der kleine Nick


Fast alle kennen ihn hier in Frankreich, fast alle lieben ihn. Ein typischer kleiner Lausbub aus der Schule, entstanden aus der Feder von Asterix-Schöpfer René Goscinny, die Zeichnungen erinnern oft ein wenig an die in Deutschland eher bekannten "Papa-Moll-Bilder". Diese Kinderbuchserie ist im französischsprachigen Raum in fast jedem Kinderzimmer anzutreffen, der Leser begleitet den kleinen Nicolas vor allem in seinem Schulalltag, fährt mit ihm ins Schullandheim oder in den Urlaub. Selbstverständlich strotzt diese witzige Reihe nur so von Klischees und schwankt zwischen der heilen Welt der 60er Jahre und vollkommen überdrehten Charakteren. Von der Mutter, die eigentlich nur da ist, um den Haushalt zu führen, sich aber auch einmal eine Perlenkette aus der Galerie LaFayette wünscht, über den Vater, der in einer Firma mit strengem Chef arbeitet und sich doch auch gerne mal etwas Besonderes gönnen würde, bis hin zum dickbäuchigen gemeinen Lehrer, der in seinem militärischen Ton die Schüler regelmäßig zur Schnecke macht, ist so ziemlich alles dabei. Herrlich auch die Darstellung von Nicks Freunden, Schlaukopf, Streber, Dickwanst, Besserwisser, Macho und reiches Einzelkind, sie alle sind vertreten. Gemeinsam durchleben die Kiddies witzige Abenteuer oder müssen sich in der Welt der Erwachsenen auf ihre ganz eigene Art und Weise Gehör verschaffen, was nicht immer einfach ist.
Jetzt ist der Erfolg aus den Kinderzimmern in die französischen Kinos gekommen und wird sicherlich auch in Deutschland ein Erfolg werden. Die putzige und humorvolle Machart, die Musik, geschliffene Charaktere und eine rasante Geschichte - Nicolas denkt, dass seine Eltern ihm verheimlichen, dass er bald ein Geschwisterchen bekommt und schmiedet Pläne, um dieses Kind nach der Geburt sofort loszuwerden - machen den 90minütigen Film zu einem witzigen Familienspaß. Die Deutschen müssen sich leider noch ein wenig gedulden, der Kinostart ist derzeit für den Februar 2010 geplant. Besonders lustig ist ein Trailer zu dem Film, in dem alle Darsteller behaupten, sie seien der kleine Nick, bevor der wirkliche Darsteller ganz am Ende auftritt. Hier gibt es den offiziellen Teaser zu sehen. Unbedingt vormerken, es lohnt sich!



Aktuelle Lektüre: Fridolin Schley: "Wildes schönes Tier"

Donnerstag, 12. Februar 2009

Benjamin Button

Gestern abend war ich mit Freunden im Kino in "Der seltsame Film des Benjamin Button". Dieses rührende, ausgefallene und wundervolle Märchen ist es wirkich wert, dass es für dreizehn Oscars nominiert wurde. Feinfühlig, leise, detailgetreu und bildgewaltig erzählt der Film die Geschichte von Benjamin Button, der als Greis geboren wird und rückwärts altert. Regisseur David Fincher, der sich normalerweise auf dem Thriller-Terrain ("Panic Room") heimisch fühlt, wagte sich mit diesem Film auf absolutes Neuland und landete gleich einen Volltreffer. Benjamin wächst in einem Altersheim auf und wird im Gegensatz zu seinen Mitbewohnern, die alle sterben, immer jünger. Als er das Alter eines 80jährigen hat, trifft er auf die junge Daisy, die für ihn eine wichtige Rolle im Leben spielen soll, doch er kann sie erst lieben, wenn sich beide "in der Mitte" getroffen haben. Nicht nur die unglaublich passende Besetzung eines Brad Pitt und einer wundervollen Cate Blanchett runden das Bild stimmig ab, sondern auch die Staffage der Nebendarsteller und die liebevolle Idee, kleine Leitmotive in den Film einzubauen - man müsste den eigentlich gleich noch einmal sehen, um alle zu finden. Sei es der fliegende Kolibri, der Benjamin auf hoher See begegnet und viele Jahre später an der Scheibe der sterbenden Daisy vorbeiflattert, die Geschichten des Mannes, der schon sieben Mal vom Blitz getroffen wurde oder die rückwärts tickende Bahnhofsuhr im Bahnhof von New Orleans. Schon lange nicht mehr wurde auf so stimmungsvolle und nachdrückliche Weise mit der Thematik der Allgegenwärtigkeit des Todes und der Vergänglichkeit des menschlichen Daseins gespielt und experimentiert wie in diesem Film, den ich wirklich jedem, der ihn noch nicht gesehen hat, wärmstens ans Herz legen kann. Märchenhafte Liebesgeschichte, die nachdenklich macht - ganz großes Kino! Und einige Zitate des Benjamin Button sind auch wirklich toll, etwa wie dieses:

"Nach meiner Meinung ist es nie zu spät oder in meinem Fall zu früh, der zu sein, der man sein will. Es gibt keine zeitliche Begrenzung. Fang damit an, wann du willst. Du kannst dich ändern oder so bleiben wie du bist. Es gibt keine Regel. Du kannst das Beste daraus machen oder das Schlechteste.
Ich hoffe du machst das Beste daraus. Ich hoffe du siehst erstaunliche Dinge. Ich hoffe du erlebst Gefühle wie nie zuvor. Ich hoffe du begegnest Menschen, die die Welt anders sehen als du. Ich hoffe du lebst ein Leben, auf das du stolz sein kannst. Und wenn es nicht so ist, dann hoffe ich du reißt dich zusammen und fängst nochmal von vorne an
."

Noch 14 Tage bis zur Premiere von "Außer Kontrolle".

Aktuelle Lektüre: Benedict Wells: "Becks letzter Sommer".