Sonntag, 30. Mai 2010

"Verzeihung, Ihr Alten" im Mainfrankentheater


Ans Altwerden denkt eigentlich keiner gerne. Ans Sterben schon mal gar nicht. Doch für die Bewohner der Altenpension "Frydendal" sind diese Themen allgegenwärtig. Christian Lollike bringt mit seinem Stück "Verzeihung Ihr Alten, wo finde ich Zeit, Liebe und ansteckenden Irrsinn?" ein Thema auf die Theaterbühne, über das man sich lieber auszuschweigen pflegt. Doch was, wenn man selbst einmal vor der Wahl steht, was man mit pflegebürftigen Eltern oder Ehepartnern zu tun hat? Was denken die Alten eigentlich? Und wovon träumen sie?
Don Otto und Biermann jedenfalls erträumen sich beim heimlichen Zigarrenrauchen im Garten Reisen in ferne Länder, an Strände und unter Palmen und wollen schließlich einen Turm bauen, um über die Ländereien schauen zu können. Frau Frauke, die engagierte Leiterin des Heims, ist gleich Feuer und Flamme für dieses Projekt, denn sie erhofft sich, auf diese Art "Frydendal" einen Namen zu verschaffen. Währenddessen verliebt sich der Pfleger Valentin in die Kleptomanin Vera, während seine anderen beiden Kollegen die Heimsbewohner bestehlen und ihre Beute im Garten verstecken. Der ganze Trubel kann der Sängerin gar nichts anhaben, sie wankt stets mit ihrer Windel über die Bühne, herausgeputzt wie für einen Opernauftritt. Und trotz Demenz, Altersschwäche und Flüssignahrung, scheint die Freude am Leben noch nicht verloren gegangen zu sein.
Das Stück ist anders, keine Frage, erhielt aber von der "Mainpost" zu Unrecht eine schlechte Kritik. Klar, das Thema ist unangenehm, vielleicht auch weil es früher oder später jeden betrifft. Christian Lollikes Stück ist zwar sehr direkt, kann aber durch gezielt gesetzte Pointen und einen augenzwinkernden Blick auf die Sorgen, Nöte und Ängste des Altwerdens den Stoff ein wenig verdaulicher gestalten. Die Würzburger Inszenierung bleibt dem auch treu und selbst wenn laut Pflegern "da Kacke auf dem Boden" liegt oder die Sängerin ihre Windel hinter sich her schleift (laut Regieanweisung ist sie eigentlich vollgeschissen), kommen noch keine Ekelgefühle auf. Die Inszenierung von Deborah Epstein erhält zusätzlichen Charme durch die beiden kleinen Kinder, die die Regieanweisungen verlesen und bewusst die Barriere zwischen Schauspiel und den damit verbundenen Anweisungen durchbrechen. Auch die Schauspieler fallen manchmal kurz aus ihrer Rolle und wenden sich dem Publikum zu.

Maria Brendel gibt die sprichwörtliche Glucke, die sich um ihre Lieben kümmert und es sich nicht nehmen lässt, die Anwesenden gerne mehrmals zu begrüßen, sei es durch ständiges "Mahlzeit!" oder "Morgen!" und gibt sich die größte Mühe, es den Bewohnern von "Frydendal" so angenehm wie möglich zu machen. Georg Zeies als Biermann und Max de Nil als Don Otto sorgen für einige Lacher und erinnern manchmal an die beiden Muppet-Opas vom Opernbalkon, während Maria Vogt der alten Kleptomanin Vera auf liebevoll-komische Art Leben einhaucht. Anne Simmering schwebt als Opernsängerin in ihrer ganz eigenen Welt und gewinnt sehr bald die Gunst des Publikums. Ein sehr schön umgesetztes und gegenwartsdramatisches Stück, das mit seinem ganz eigenen Charme und seinem Tiefgang zu begeistern weiß.

Letztmals ist die Produktion am 05. Juni zu sehen.

Aktuelle Lektüre: Friedrich Dürrenmatt: "Der Richter und sein Henker"

Quelle der Bilder: Mainpost


Herr Pfeffer sorgt für Geschmack...


Ein kleiner aber feiner Laden hat vor einiger Zeit seine Türen in Würzburg geöffnet und freut sich jetzt auf zahlreiche neugierige Besucher. Wer am Vierröhrenbrunnen auf seine Freunde wartet, die sich dann doch noch um eine Viertelstunde verspäten, oder nicht weiß, wo er nette und ausgefallene Geschenk-, Deko- oder Bekleidungsideen finden kann, sollte dort unbedingt einmal vorbeischauen. Vor dem Wöhrl stehend wende man sich nach links, gehe rechts an der Bank vorbei in die kleine Gasse und folge dem kurvigen Verlauf, nach ein paar Schritten ist man schon da und kann in "Herr Pfeffer" ein bisschen stöbern.

Öfters einmal vorbeizuschauen, lohnt sich übrigens, denn das Sortiment wechselt regelmäßig. Jungen Designern soll mit dieser pfiffigen Geschäftsidee eine Plattform geboten werden, ihre Entwürfe zur Schau zu stellen und zu verkaufen. Nach spätestens 3 Monaten müssen sie ihre Sachen wieder mitnehmen und Platz für andere Nachwuchskünstler machen. Von Bandshirts über Kühlschrankmagneten, Stickern, Bildern, ausgefallenen Taschen und kleinen Bags, nettem Hingucker-Nippes, Schuhen oder einem Gürtel mit wechselbarer Schnalle gibt es kreatives, inspirierendes und individuelles Zeug zu erstehen - gleichzeitig unterstützt man damit junge Talente. Ein Klick auf die erfrischende und übersichtliche Homepage lohnt sich.

Öffnungszeiten:
Montags und Dienstags: 13 Uhr bis 19 Uhr, Donnerstag und Freitags: 11 Uhr bis 19 Uhr, Samstags: 11 Uhr bis 17 Uhr. Mittwoch ist Ruhetag.

Aktuelle Lektüre: Friedrich Dürrenmatt: "Der Richter und sein Henker"

Sonntag, 23. Mai 2010

Ein Segen für Kinderserien

Wie hilfreich ist doch das Internet, wenn man schon ewig nach etwas Bestimmtem sucht und wenn es die Clips dazu auch noch auf youtube gibt. Jedenfalls können alte Kinderserien damit wieder zum Leben erweckt werden - unbezahlbare, nie wieder ersetzbare Klassiker, die so manchen Nachmittag oder langweiligen Ferientag verkürzt haben.


Wer kennt beispielsweise noch die schöne Kinderserie "Der zauberhafte Psammead"? In dieser Serie entdeckten fünf Kinder einen kleinen Kobold, der sich im Sand einbuddeln konnte - den zauberhaften Psammead eben. Der war immer ziemlich griesgrämig, aber eigentlich ein liebenswerter Kerl und erfüllte den Kindern dank seiner Zauberkraft stets einen innigen Wunsch - wie etwa, wunderschön zu sein, fliegen zu können oder von allen geliebt zu werden. Dabei mussten die fünf Kinder aber oft lernen, dass diese Wünsche mit unangehmen Nebenwirkungen verbunden waren, was stets für mächtigen Trubel sorgte. Im englischen Original heißt die Serie "Five Children and it" und geht zurück auf ein bekanntes Kinderbuch. 2004 wurde dieses neu verfilmt, unter anderem mit Kenneth Branagh und Freddie Highmore, schwappte aber nicht zu uns herüber.


Oder wer kennt sie nicht, die sprechenden Zellen, die wandernden Blutkörperchen und die tolle Armada aus Abwehrkäften. In "Es war einmal...das Leben", einer Serie aus Frankreich wurde auf wunderbare bildhafte und kreative Weise erklärt, was so alles in unserem Körper vorgeht. Die Erkennungsmelodie von Gabie Loh kennt bestimmt noch jeder. Der bekannte Song wurde später übrigens in den 90er Jahren von der PunkRockband "The Wohlstandskinder" gecovert und mit einigen Gitarrentönen aufgepeppt. Die Serie wurde über den ganzen Erdball berühmt, mittlerweile kann man die Folgen auf youTube anschauen. Es gab übrigens noch mehr Reihen von "Es war einmal..." wie etwa "Es war einmal...der Mensch" oder "Es war einmal...Entdecker und Erfinder".

"Round the twist" oder auf Deutsch "Twist Total" war auch ziemlich cool. Diese Serie kam aus Australien und handelt von einem Familienvater, Tony Twist, der zusammen mit seinen drei Kindern in einen Leuchtturm zieht. Es gibt nicht nur Ärger mit den ansässigen und äußerst verstockten Dorfbewohnern, sondern die drei Geschwister entdecken sehr bald, dass es in der Gegend spukt und müssen sich mit Geistern, Vampiren oder Flüchen herumschlagen. Die Serie ist im UK-Import auf DVD erhältlich und es gibt auch ein paar dieser Folgen online.
Statt stupider Clips oder ewigem Facebook-Gesurfe lohnt also durchaus ein Blick in die alten Schätze aus der Kindheit...

Aktuelle Lektüre: Margeritue Duras: "Der Liebhaber"

Samstag, 22. Mai 2010

Ein Handygespräch als Musical


Die Theaterwelt blickt derzeit wieder nach Berlin, wo seit einigen Tagen das alljährliche Theatertreffen statt findet. Zahlreiche namhafte Regisseure und Produktionen wurden wieder in die Hauptstadt eingeladen, wie etwa Roland Schimmelpfennigs Stück "Der Goldene Drache" (zu sehen heute Abend auf 3sat) oder Elfriede Jelineks "Die Kontrakte des Kaufmanns" aus dem Burgtheater Wien. Gleich mit drei Stücken ist das Schauspiel Köln angereist, ebenso kreative Jungautoren, alte Hasen und natürlich viel Prominenz. Gegenwärtiges Thema auf den Bühnen ist natürlich die Wirtschaftskrise und es wird vielerorts gemunkelt, dass die Schauspielhäuser in dieser doch recht verfahrenen Situation wieder zu ihrer ursprünglichen Aufgabe als "moralische Anstalt" zurückfinden - Themen, die die Gesellschaft bewegen, aufgreifen, verarbeiten, kritisieren, anprangern. So ist es auch kaum verwunderlich, dass sich sehr viele der eingeladenen Produktionen mit diesem Thema auseinandersetzen. Wer die begehrten Preise bekommen wird, ist heute Abend ebenfalls auf 3sat zu sehen.

Doch auch internationale Gruppen und Produktionen bekommen Gelegenheit, sich auf der Plattform in Berlin zu präsentieren, eine davon ist das "Nature Theatre of Oklahoma". Diese Truppe verzichtet bewusst auf große Effekte, spannende erfundene Handlungen und fiktive Charaktere - das wahre Leben steht im Vordergrund und die Wirklichkeit soll auf die Bühne gebracht werden. So wunderte sich Kristin Worral, eine Freundin des Regisseurs Pavel Liska nicht schlecht, als sie von ihm einen Anruf auf ihr Handy erhielt und er sie bat "Erzähl mir dein Leben!". Das tat Kristin dann auch, blieb über 16 Stunden an der Strippe und berichtete ihre gesamte durchschnittsbürgerliche Biografie, Pavel zeichnete alles auf. Daraus entstand dann "Life and Times", die erste Folge "Episode 1" wurde auf dem Theatertreffen in Berlin gezeigt. Pavel Liska und seine Regiekollegin Kelly Copper transkribierten die gesamte Erzählung von Kristin Stück für Stück in sangbare Texte - die Authentizität wurde aber dabei gewahrt. Nichts wurde gekürzt, "ums" und "ehms" wurden beibehalten. In "Episode 1" wurden Kristins erste sechs Jahre erzählt, über drei Stunden dauert das. Von "realistischem Musiktheater" ist hier die Rede, mit den Klischees um die gängigen Broadwayshows wird bewusst aufgeräumt. "Episode 2" wird im Burgtheater Wien aufgeführt werden. Eine witzige Idee, über die sich sicherlich streiten lässt. Bewusst wird das Laienhafte, das durchschnittliche in den Vordergrund gerückt, in dem sich das Publikum wieder erkennen soll - Kristins Geschichte weist sicherlich zu jedem mindestens eine Parallele auf. Schon 2008 erhielt die Gruppe in Europa eine Auszeichnung und ist derzeit auf dem Weg nach oben - wir dürfen gespannt sein.

Aktuelle Lektüre: Frank Wedekind: "Lulu"

Sonntag, 16. Mai 2010

Espressiert


Eine neue und raffinierte Geschäftsidee zieht seit Beginn letzter Woche neugierige Blicke der Studenten auf sich. Die mobile Espressobar "Espressiert" versorgt ab jetzt zur späten Mittagszeit kaffeesüchtige Studenten direkt am Zebrastreifen gegenüber der Zentralen Universitätsbibliothek. Wer die Treppenstufen zur Philosophischen Fakultät I steigt oder den Bus an der Haltestelle verlässt, kann das kleine dreirädrige Gefährt kaum verfehlen. Italienischer Flair kommt auf jeden Fall auf, wenn man sich dort einen Espresso bestellt, denn die 1,50 € sind ihr Geld wirklich wert - auch wenn die Kaffeebohnen aus Hessen kommen. Aber das außergewöhnliche Mischungsverhältnis sorgt für einen wunderbaren Geschmack, es gibt natürlich auch noch Cappuccino, Kaffee, Latte Macchiato, kleine Snacks wie Brownies und Gebäck. Panoramablick auf Würzburg und die Festung inklusive.

Nicht nur, dass die koffeinhaltigen Heißgetränke mehr Aroma und Geschmack enthalten als die Automaten-Instantbrühen der diversen Cafeten, wer sich nach der Schließung der Cafeteria oder Mensa noch nach etwas sehnt oder vor allem sonntags gerne seine Pause außerhalb der Zentralbibliothek mit einem frischen Kaffee füllen möchte, ist hier genau richtig. Der freundliche Barbetreiber erzählt gerne etwas über seine Idee und zeigt auch die Technik, die in dem kleinen Vehikel steckt; so thront auf dem Beifahrersitz ein Waschbecken inklusive Wasseraufbereitungsanlage. Wer dort also bald vorbeikommt, sollte den Kaffee einmal testen...es lohnt sich.

Aktuelle Lektüre: Andreas Franz: "Der Jäger"

Sonntag, 2. Mai 2010

Wenn ein Löffelchen voll Zimt...


Eine berühmte und sehr beliebte Kneipenwette in den amerikanischen Staaten ist es, dass es beinahe unmöglich ist, einen Löffel voller Zimt zu essen. Die legendäre "Cinnamon Challenge" hat sogar einen kleinen Artikel auf wikipedia erhalten und schon zahlreiche Wagemutige haben sich daran versucht. Dabei ist diese Wette ein relativ dummer und gefährlicher Versuch. Das Zimt blockiert nämlich die Atemwege und ist so staubig, dass sich diese Partikel überall festsetzen können, erschwerend kommt hinzu, dass sich Zimt nicht in Wasser (Speichel), sondern nur in Fetten und Ölen lösen lässt. Und beim Durchführen der Wette ist es eben auch nicht erlaubt, etwas zu trinken. Ziemlich blöd, wenn dann Hustenanfälle und Brechreiz auftreten, aber wer kotzt, hat ebenfalls verloren. Da es die Amis ja immer gerne besser wissen müssen und sich gerne auf allerlei Schandtaten einlassen, zeugen zahlreiche Clips im Internet von den Versuchen, die Zimtportion zu schlucken. Einfach mal auf yotube "Cinnamon Challenge" eingeben...

Aktuelle Lektüre: Andreas Franz: "Der Jäger"

Sonntag, 18. April 2010

"Goscior - der Zwischenweltler" am Mainfrankentheater


"Schönen Gruß aus'm Wald!". Mit dem Musical "Goscior - der Zwischenweltler" wartet das Mainfrankentheater Würzburg derzeit auf und entführt den Zuschauer mit einem wahren Effektspektakel in eine ganz andere Welt, nämlich in die Welt der Kobolde. Bernhard Stengele, der wieder einmal sein Händchen für flotte, eingängige und sehr gelungene Inszenierungen beweist, holt das gesamte Schauspielensemble des Mainfrankentheaters Würzburg auf die Bühne und erzählt eine mitreißende, amüsante und witzige Geschichte mit zahlreichen einfallsreichen Seitenhieben auf aktuelles Zeitgeschehen. Spritzige und genrelose Live-Musik einer Band mit Koboldmasken, ein einfaches, aber wirkungsvolles und schnell wandelbares Bühnenbild und sehr aufwändige, toll gestaltete Masken leisten ihren Beitrag zum Gelingen des in Würzburg welturaufgeführten Musicals "Goscior - der Zwischenweltler" aus der Feder von Frank Felicetti, der in Koboldmaske als Dollock gleich noch selbst eine Rolle übernimmt.

Die Handlung ist eher einfach und teilweise so klischeegerecht, dass man sich fragen könnte, wie dabei noch ein gutes Musical herauskommen soll: George und seine Freundin Maria gehen im Wald spazieren und entdecken einen roten Kristall, der den Kobolden gehört. Natürlich wissen die beiden das nicht, weil ja Menschen nicht an Kobolde glauben, und stehlen den magischen Stein, was den Zorn der Waldbewohner zur Folge hat. Während Maria mit dem Stein fliehen kann, wird George zur Strafe in Goscior verwandelt, ein Wesen zwischen Mensch und Kobold, das zwar aussieht und spricht wie ein Kobold, aber auch in der Menschenwelt sichtbar ist und keinerlei magische Kräfte besitzt. Natürlich will Goscior wieder zu George werden und macht sich auf in die Menschenwelt, um den Stein zurückzuholen. Leichter gesagt als getan, denn in der hektischen und grauen Großstadt ist kein Platz für Kobolde und Magie, außerdem kann sich Goscior nicht in der Menschensprache verständigen. Zur Seite stehen ihm die Rechtswächterin Rinja und Dollock. Und natürlich gibt es da noch eine uralte Prophezeiung, dass da eines Tages einer kommen wird, der als Bindeglied zwischen der Welt der Menschen und der der Kobolde dienen wird, denn einst lebten beide Völker zusammen, ja, waren gar nur ein Volk. "Doch die Menschen glauben nicht mehr an uns", beschwert sich Rinja, "sie haben keinen Sinn mehr für Magie." Goscior alias George gerät selbst in einen Gewissenskonflikt, denn er steht bald zwischen zwei Seiten...

Nun ja. Wie gesagt, Handlung eher 08/15. Das Motiv "Eindringling in fremde Welten und anschließender Gewissenskonflikt" kennen wir schon aus "Pocahontas" und in digitaler Neuauflage aus "Avatar", unter dem schwindenden Glauben an Zauberkraft und Magie litten bereits die Kindliche Kaiserin und Phantasien, Peter Pan und Nimmerland und Co. Doch Musik, Dialoge und Inszenierung gleichen diese Tatsache so kunstvoll aus, dass man "Goscior" einfach mögen muss. Eine tolle Musik mit teils witzigen, teils nachdenklich machenden Texten, ein wunderbar stimmiges Ensemble, das sichtbar Spaß und Freude an dieser Produktion zu haben scheint und wunderbare Anspielungen und Parodien auf aktuelles Zeitgeschehen gestalten den Abend wunderbar aus und machen die knapp zweieinhalb Stunden zu einem unvergesslichen Erlebnis. Zudem fährt das Mainfrankentheater einmal sein ganzes technisches Equipment auf - Rauchmaschine, Schwenklichter, Videoprojektionen, Liveband, Headphones (die am Anfang ein bisschen brauchen, bis man alles versteht), Lichteffekte und und und...


In bis zu fünf Rollen müssen die Schauspieler schlüpfen. Kai Christian Moritz gibt George und Gosicor und stellt sein stimmliches und schauspielerisches Talent eindrucksvoll unter Beweis, Anne Diemer gibt die durchtriebene und gierige Freundin Maria und überzeugt, wie zuletzt in Schillers "Parasit" auch durch ihre gesangliche Solonummer über den Tod der Märchen. Maria Vogt mimt putzig und flippig die Rechtswächterin Rinja, Musicalautor Frank Felicetti wirkt selbst mit als ruppiger Kobold Dollock. Der Rest des Ensembles wechselt zwischen Kobolden, Menschen, Pennern, gesichtslosen Allwissenden (eine der besten Nummern im ganzen Stück, weil Gesang, Bewegung und Regieeinfälle wunderbar zusammenspielen) und spielt jede Rolle wunderbar aus. Maria Brendel sorgt als ostdeutsche Oma, die das Wort "Münzeinwurf" nur allzu genau nimmt, für zahlreiche Lacher und sticht wieder einmal mit ihrer markanten Stimme und ihrem Können ein wenig heraus, Kai Markus Brecklinghaus darf rappen und "voll krasses" Deutsch sprechen und Anne Simmering wird wieder ihrer quirligen und verrückt-exzentrischen Darstellung gerecht, sehr zur Freude der Zuschauer.

Bernhard Stengele führt die Truppe sicher und gekonnt durch die Handlung, wie so oft überraschen einfache und trotzdem effektvoll Einfälle, wie Gummibänder an Händen und Füßen, die den anonymen Großstadtmenschen auf einer Privatparty marionettenhafte Züge verleihen, weiße Masken über den Gesichtern und sich drehende Figuren bei den allwissenden Mächtigen der Welt sowie stellenweises Spiel im Publikum. Auch die Band wird leicht mit einbezogen und kommt im Kobold-Look daher. Ein gelungener Streich, unterhaltsam, stimmig, durchsetzt mit ernsten Tönen und sinnvoll versteckter Kritik (man höre auf die Namen, mit denen in der Wohnung das "Light-System" gesteuert wird), eingängigen Liedern und Melodien und einer tollen Besetzung. Hingehen, mitfiebern, sich mitnehmen lassen - der Run auf die Karten ist groß, also nicht mehr lange warten! Mehr Infos gibt es auch hier.

Quelle der Bilder: Mainpost

Aktuelle Lektüre: Johann Wolfgang von Goethe: "Die Wahlverwandtschaften"

Solidarität für das Wuppertaler Schauspiel


In Wuppertal brodelt es. Vor drei Wochen waren tausende Menschen auf der Straße, demonstrierten, protestierten, machten ihrem Ärger Luft. Zum Welttheatertag am 28. März hatten über 50 Bühnen aus ganz Deutschland Abordnungen in die Stadt Wuppertal geschickt, um sich an den Protesten und Kundgebungen zu beteiligen. Der Grund: Wuppertal ist hoch verschuldet und muss dementsprechend Einsparungen vornehmen. Diesen Maßnahmen soll auch das Wuppertaler Schauspielhaus zum Opfer fallen, zahlreiche Arbeitsplätze wären damit in Gefahr. Über 5.000 Menschen bildeten eine Kette, Schüler sangen "Es ist vorbei-bei-bei Wuppertal", viele trugen gelbe T-Shirts.

Lesungen, Ausschnitte aus Stücken, Videoeinspielungen, szenische Darbietungen - die bisher größte Souveränitätsaktion deutscher Bühnen seit langem vereinte auch namhafte und aktuelle Produktionen wie die umstrittene Hartz-IV Inszenierung aus Volker Löschs "Marat was ist aus unserer Revolution geworden" aus Hamburg, in dem Hartz-IV-Empfänger auf der Bühne eine Liste der reichsten Hamburger samt ihres Einkommens verlesen, ebenso die aus Köln angereisten "Kontrakte des Kaufmanns" von Elfriede Jelinek, auch das Wuppertaler legendäre Tanztheater von der kürzlich verstorbenen Pina Bausch war mit von der Partie. Armin Rhode kam auf dem Motorrad vorbei und sprach vor der versammelten Menge, warnte vor den Folgen, die "Seele einer Stadt" zu schließen. "Macht euch klar, was damit passiert!" Regisseur Roger Vontobel trug beim Schlussapplaus der Premiere seines "Don Carlos" in Dresden ein Solidaritäts-T-Shirt und setzte damit ebenfalls ein Zeichen.


In den von der Finanzkrise gebrandmarkten Zeiten fallen derzeit überall kulturelle Projekte und Einrichtungen den Einsparungen zum Opfer. Ein städtisches Theater zu schließen, hat sich aber bisher noch niemand getraut. Darum blickt derzeit die deutsche Bühnenwelt nach Wuppertal, denn die Schließung des Schauspiels könnte einen schrecklichen Dominoeffekt zur Folge haben. Ein schleichender Tod? Vielleicht kann doch noch etwas erreicht werden, doch die Situation bleibt angespannt. Wuppertal ist nicht das einzige Theater, das von den Etatkürzungen bedroht ist. Die Intendanten werden jedenfalls auf die Barrikaden gehen und überlegen, wie man sich am Besten dagegen wehren kann. Vielleicht gibt es ja noch Hoffnung...

Aktuelle Lektüre: Johann Wolfgang von Goethe: "Die Wahlverwandtschaften"

"Love Jogging" im Chambinzky


Hilary scheint sichtlich erleichtert, dass ihr Mann Brian endlich einmal etwas für seine Fitness tut. Im knallroten Jogginganzug macht er sich jeden Mittwoch auf, um draußen seine Runden zu drehen. Was Hilary daran freut, ist aber nicht unbedingt die Tatsache, dass bei ihrem Mann vielleicht bald die Pfunde purzeln könnten, sondern der schöne Nebeneffekt, dass sie Brian für einige Stunden los ist. Denn wenn Brian mittwochs außer Haus ist, vergnügt sich dessen Freund George heimlich mit Brians Ehefrau Hilary. Aber Brian geht auch nicht wirklich joggen. In Wirklichkeit trifft er sich in Georges Wohnung mit seiner Geliebten Wendy und denkt, George sei in dieser Zeit beim Dartspielen in der "Goldenen Unke". Das prekäre Wechselspiel scheint reibungslos zu funktionieren, bis zu dem Tag, an dem Georges Ehefrau Jessica unerwartet früher von einer Geschäftsreise zurückkommt und Brian und Wendy in ihrer Wohnung vorfindet. Brian gerät in Erklärungsnot und damit nimmt das Unglück seinen Lauf...

Die Komödie von Derek Benfield mischt typische Slapstick-Elemente mit zahlreichem Wortwitz und liefert ein lustiges Verwirrspiel, in dem sich die Charaktere immer tiefer in ihren Ausreden und Heimlichtuereien verstricken. Das das nicht gut gehen kann, ist natürlich klar und dementsprechend hat das Publikum viel zu lachen.
Zwar braucht es am Anfang ein bisschen, bis das Spiel endgültig Fahrt aufnimmt, doch die ersten Minuten sind eben nötig, um die nötigen Informationen zu liefern und die Verhältnisse und Gegebenheiten zu klären. Einmal in Schwung gekommen, gibt es jedoch kein Zurück mehr.

Manfred Plagens inszenierte diesen flotten Schabernack, der derzeit am Chambinzky noch bis zum achten Mai zu sehen ist, zusammen mit einem stimmigen und harmonierenden Team, das der Verwechselposse die nötige Schärfe zu verleihen weiß. Die immer wieder gern gesehenen Chambinzky-Stammgäste Wolfgang Stenglin als Brian, der sich ständig neu erklären muss und in seiner köstlichen Hektik nur noch tiefer in den Schlamassel begibt sowie Dagmar Schmauß als selbstbewusste und direkte Jessica, die durch ihre Fragenstellerei und ihre offensive Art sowohl George als auch Brian das Leben schwer macht, bringen den ganzen Zirkus ordentlich in Schwung, in dem sich Siegfried Krockert als penibler und leicht ungeschickter George behaupten muss. Für einige Lacher sorgt sein Drang, seine Kleidungsstücke immer wieder säuberlich ordnen zu müssen sowie seine hilflosen Versuche, angesichts neuer Probleme nicht wieder in Panik auszubrechen - herrlich. Silke Weller gibt mit sichlichtem Spaß eine leicht hämische und sarkastische Hilary, die in all dem Trubel stets ihr diebisches Lächeln bewahrt und durch spitzfindige Kommentare zu bespaßen weiß. Michelle Küster macht als Wendy, die unversehens Teil der Scharade wird und plötzlich als Krankenschwester augegeben werden muss, souverän die Truppe komplett.

Es gibt noch Karten. Und es lohnt sich durchaus, an einer der noch ausstehenden Vorstellungen vorbeizujoggen und die freien Plätze zu füllen. Hobbyköche können mit dem Programmheft ein Rezept für Schottisches Ochsenschwanzragout mit nach Hause nehmen. Was dieses Essen mit dem Stück zu tun hat, sollten neugierige Besucher selbst herausfinden...

Aktuelle Lektüre: Johann Wolfgang von Goethe: "Die Wahlverwandtschaften"

Sonntag, 11. April 2010

Musik mal anders


Wer kennt es nicht - verregneter Nachmittag, Langeweile, Internet - und ruck zuck hat man sich auf youtube eingeklickt und erfreut sich an zahlreichen Ekelvideos, sieht Opas und kleine Kinder hinfallen, ist verzückt bei süßen kleinen Kätzchen und Äffchen oder macht sich über Leute witzig, die denken, sie könnten singen, sich aber eigentlich nur lächerlich machen. Zum Glück gibt es da noch Ausnahmen, die diese riesige Videoplattform dazu nutzen, ihre Musik unter die Leute zu bringen. Einer von ihnen ist Tyler Ward. Ob an der Gitarre, am Mikrofon oder zusammen mit anderen Jungmusikern, der smarte Amerikaner überzeugt durch melodisches Können und vor allem durch seine eigenen und individuellen Neuinterpretationen bekannter Songs. Ob Taylor Swift, Michael Jackson oder Ludacris - Tyler Ward überzeugt in mehreren Genres. Einfach mal reinklicken und in der Quicklist abspeichern...

Aktuelle Lektüre: Johann Wolfgang von Goethe: "Die Wahlverwandtschaften"

Sonntag, 28. März 2010

Wundertüte, knallbunt


Tim Burton ist wieder mal seinem eigenen Genre gerecht geworden und liefert mit seinem neuen Film "Alice im Wunderland" ein neues farbenfrohes, bizarres und schräges Fantasyspektakel. Selbstverständlich sind wieder Helena Bonham Carter und Johnny Depp von der Partie und wie immer, wenn Tim Burton einen Film macht, ist Danny Elfman nicht weit und sorgt mit dissonanten Gruselchören, Violinen und tiefer Orchestermusik für den nötigen zauberhaften Soundtrack. Sich dieses farbenfrohe und zugleich düstere Effektfeuerwerk in 3D anzusehen, lohnt dabei umso mehr.

Zudem ist interessant, dass Tim Burton die Geschichte nicht einfach neu-, sondern vielmehr weitererzählt. Die Alice in seinem Film ist kein kleines niedliches Mädchen, sondern eine junge Frau, die sich langsam in die steifen Konventionen der englischen Gesellschaft fügen muss - zumindest, wenn es nach ihrer Familie geht. Doch kurz bevor ihre Verlobung bekannt gegeben werden soll, taucht ein kleines weißes Kaninchen auf, dass hektische Blicke auf eine Taschenuhr wirft. Alice folgt diesem bis zu einem Baum und fällt dort in ein tiefes Loch, dass die direkt ins Wunderland führt. Dort warten nicht nur die allseits bekannten Gestalten auf sie wie der verrückte Hutmacher, die Grinsekatze und die böse Herzkönigin, Alice wird sich auch bald bewusst, dass sie bald etwas zu Ende bringen und ihrer Bestimmung folgen muss...

Sprechende Mäuse und Hunde, rauchende Raupen, eine cholerische Herzkönigin mit Wasserkopf, der schrullige Hutmacher, die dicken Zwillinge Tweedledee und Tweedledum (gespielt von "Little Britain"-Star Matt Lucas) und eine verträumte Anne Hathaway als Weiße Königin - wunderbare Zutaten für einen zauberhaften Film. Trotz Neuinterpretation bleibt die Persiflage auf die steife Gesellschaft Englands noch immer spürbar und Kenner des Buches oder des Disneytrickfilms können sich auf einige Überraschungen gefasst machen. Stimmig, dunkel, schräg und magisch, Tim Burton bleibt einfach unglaublich gut.

Aktuelle Lektüre: Helene Hegemann: "Axolotl Roadkill"

Samstag, 27. März 2010

Twilight ohne Grenzen

Zufällig bin ich gerade auf einer Reportage auf arte hängen geblieben, Thema: "das Twilight-Fieber". Kreischende Teenies, Warteschlangen vor den Kinos und die Frage aus dem Off, wie sich solch ein Hype denn bloß erklären lässt. Dann zeigt die Kamera eine schockierende Szene - vier Freundinnen stoßen zusammen mit einem Gläschen Sekt an, während der Sprecher im Audiokommentar erklärt, dass sich diese jungen Frauen derzeit jeden Sonntag treffen und nur ein Gesprächsthema kennen: Edward und Bella. Noch kein Grund zur Panik, doch dann wird das Alter der Mädels eingeblendet: 23, 21, 22...oh mein Gott. Und dann sagt doch tatsächlich die 23jährige, sie hätte den Film beim ersten Mal noch gar nicht verstanden und hätte ihn gleich noch mal ansehen müssen, um ihn besser zu begreifen und außderdem wünsche sie sich auch so einen Freund wie Edward. Ja genau, pflichtet ihr die 26jährige (!!) Freundin bei, sie könne die Bücher nicht aus der Hand legen und sei sie mit dem vierten Band durch, müsse sie gleich wieder beim ersten Band anfangen. Wo leben diese vier armen Mädels eigentlich, dass sie einer solchen klischeegefertigten Figur nachschmachten?

Schnitt. Gezeigt wird die Ring Con in Bonn, eine große Fan-Veranstaltung zu Kinohits und berühmten Büchern. Treffen mit Stars, Fotos, Autogrammstunden. 45 €uro kostet der Spaß pro Tag, für die gesamte Veranstaltung werden um die 250 €uro fällig. Die Kamera schwenkt über Massen an (vorrangig) weiblichen Fans, die sich die Beine in den Bauch stehen, um Nebendarsteller aus den "Twilight"-Filmen zu treffen und ihnen Fragen zu stellen, wie "welcher Band von den vier Büchern gefällt dir am Besten?"


Ob es nun an Edwards Verkörperung eines Traummann-Prototyps für junge LeserInnen liegt, der gehörigen Portion an Schmalz, Schmacht und Schnulz oder dem Mix aus High-School-Romanze und Gruselgeschichte liegt - zahlreiche Leute geben ihren Senf dazu und versuchen, teilweise auch aus wissenschaftlicher Perspektive, dieses Phänomen zu erklären. Zeit, abzuschalten. Und zu hoffen, dass die Leute bald mal wieder auf den Boden kommen. Wird aber schwierig, schließlich kommt bald Teil 3 in die Kinos...

Aktuelle Lektüre: Helene Hegemann: "Axolotl Roadkill"

Mittwoch, 10. März 2010

"Glee" macht Musik...


Schwupps, da ist einmal wieder ein neues Projekt am Serienhimmel erschienen und sorgte erst in den Staaten, dann in England und Irland für gute Einschaltquoten, bald ist Spanien an der Reihe. Die Rede ist von der poppig-bunt-flippigen Serie "Glee", von den Machern von "Nip/Tuck". Ein sogenannter "Glee"-Club ist ein Gesangsverein, wie man ihn zum Beispiel als Arbeitsgemeinschaft an einer High School finden kann.

Und damit wären wir schon mitten in der Handlung. Spanischlehrer Will Schuester, einst selbst ein Star des Glee Clubs, will selbigen an seiner Schule übernehmen und diesem dank neuer Methoden zum Aufstieg verhelfen. Leichter gesagt, als getan, denn die Mitglieder des Glee Clubs sind in der gesamten Schule als Loser und Nerds verschrien und bekommen auf dem Gang regelmäßig die Ice-Shakes ins Gesicht geschüttet. Allen voran die überaus selbstbewusste Rachel, die schon von Kindesbeinen an davon träumt, einmal berühmt zu werden und mit ihrer extrovertierten Art in ihrem Umfeld eher aneckt als ankommt. Zudem finden sich keine männlichen Mitglieder, doch Schuester wird durch Zufall bei dem Footballspieler und Mädchenschwarm Finn fündig. Doch schon die ersten Erfolge des Glee Clubs scheinen schnell wieder vergessen zu sein, als sich weitere Probleme anhäufen, allen voran die fiese Sportlehrerin Sue Silvester, die die Finanzierung ihres Cheerleadervereins in Gefahr sieht und gerne auch zu unerlaubten Mitteln greift, um Schuester und seinen Sängern einen Stock zwischen die Beine zu werfen. Doch auch Schuesters Ehe läuft nicht sonderlich gut und unter den Teenies verhärten sich ebenfalls bald die Fronten...

Man nehme Elemente aus "High School Musical" und "Grease" und mixe sie mit den typischen High-School-Klischees aus den amerikanischen Teeniefilmen. Heraus kommt "Glee"? Fast. Sicherlich gibt es da die vorlaute afroamerikanische Sängerin, das arrogante Cheerleadergirl, den begehrten Footballer, den schwulen Außenseiter, die kesse Streberin und den coolen und vorlauten Macho mit weichem Kern, aber trotz allem bietet "Glee" noch ein wenig mehr. Nicht nur, dass mit diesen Klischees raffiniert gespielt wird, sondern auch der Umgang mit dem Thema des Außenseiters und des Andersseins bringt frischen Wind in die Serie, nicht umsonst ist auch das Loser-L, das sich mit der Hand darstellen lässt, Bestandteil des Plakats. Scheinbare Happy Ends werden ziemlich schnell durch die intolerante Mehrheit an der High School zerstört und vermeiden so unnötigen Kitsch. Das Darstellerteam spielt überzeugend und mitreißend, Jane Lynch als Sue Silvester ist einfach köstlich und Gastauftritte von amerikanischen Musikern wie Kristin Chenowith sorgen für schöne Akzente. Bleibt zuletzt die Musik - teilweise sehr gelungene Coverversionen von aktuellen und ein wenig verstaubten Hits bringen den nötigen Pep und die Choreografien sind teilweise ein Hingucker.

Reinschauen lohnt sich also, seichte Kost mit ein bisschen Tiefgang, aber sehenswert. Mal sehen, wann das "Glee"-Fieber nach Deutschland überschwappt, in Amerika geht bald der zweite Teil von Staffel eins an den Start, Staffel zwei ist bereits in Produktion...für die hat unter anderem Neil Patrick Harris schon zugesagt, besser bekannt als "Barney" aus "How I met your mother"...

Aktuelle Lektüre: Daniel Pennac: "Au bonheur des ogres"

Montag, 8. März 2010

Verwirrspiel auf der Insel


Und wieder einmal hat sich Martin Scorsese mit Leonardo di Caprio zusammen getan und einen neuen Film produziert, hatten die beiden doch bereits schon bei "Gangs of New York" oder zuletzt "The Departed - Unter Feinden" miteinander das Vergnügen. In dem düsteren Psycho-Thriller begibt sich di Caprio in der Rolle des US-Marshals Edward Daniels, von vielen auch "Teddy" genannt, auf die Insel Shutter Island. Diese beherbergt eine geschlossene Heilanstalt für psychisch kranke Schwerverbrecher und obwohl die Überwachung und die Sicherheitsmaßstäbe vom Allerfeinsten zu sein scheinen, ist es doch einer Patientin gelungen, aus ihrer Zelle auszubrechen. Diese soll nun Teddy zusammen mit seinem Partner Chuck suchen. Doch schon bald stößt dieser bei seinen Recherchen auf einige Widersprüche und dunkle Geheimnisse, etwa den Hinweis auf verbotene Experimente an den Patienten. Zudem soll sich noch ein gewisser Andrew Laediss in einem Zellentrakt befinden, ein Mann, der am Tod von Teddys Frau und Kindern erhebliche Schuld gehabt haben soll. Während sich über der Insel ein Hurrikan zusammenbraut und für das erste eine Rückkehr auf das Festland unmöglich macht, stürzt Teddy nicht nur immer tiefer in seine eigenen paranoiden Anfälle, sondern auch in das dunkle Geheimnis von Shutter Island...

Der Film ist gut, aber Scorsese kann auch besser. Trotzdem ist "Shutter Island" sehenswert. Das liegt zum einen an der schön erzeugten gruseligen Atmosphäre, den düsteren Bildern und dem stimmungsvollen Setting, zum anderen aber auch an der tollen Wendung, die der Film auf einmal vollführt und den Zuschauer vollkommen überrascht. Di Caprio spielt toll, Mark Ruffalo ebenfalls, Max von Sydow und Patricia Clarkson überzeugen in ihren Nebenrollen. Nicht zuletzt wird auch mit der Idee gespielt, ab wann man noch als Mensch und wann bereits als Monster gilt. "An diesem Ort frage ich mich: was wäre schlimmer - zu leben wie ein Monster oder als guter Mann zu sterben?"

Aktuelle Lektüre: Daniel Pennac: "Au bonheur des ogres"

Sonntag, 21. Februar 2010

Wort zum Sonntag N° 28


Morgen geht es wieder in eine neue Woche - hier in Frankreich heißt das auch gleichzeitig, dass die Winterferien vorbei sind und der letzte Abschnitt des Aufenthalts als Fremdsprachenassistent anbricht, bevor es im April wieder nach Deutschland geht. Das Wort zum Sonntag stammt dieses Mal aus dem Film "Kate & Leopold", einer recht schönen und doch sehenswerten Schnulze aus der Zeit, in der Meg Ryan noch was von sich hören ließ und Hugh Jackman noch nicht seinen Ruf als Wolverine weg hatte. Kate steht vor ihren Arbeitskollegen und muss eine Rede halten, doch dann wird ihr bewusst, dass sie eigentlich etwas ganz anderes will...

...und es ist doch eine tolle Sache, das zu bekommen, was man will. Es ist wirklich toll. Es sei denn...das, was Sie da wollten, war nicht wirklich, was Sie wollten, weil das, was Sie wirklich...WOLLTEN - das konnten Sie sich nicht vorstellen und Sie hätten nicht geglaubt, dass es möglich wäre. Aber was ist, wenn einer daherkommt, einer, der ganz genau weiß, was du willst, ohne zu fragen, der es einfach weiß, so, als könnte er deinen Herzschlag spüren oder deine Gedanken lesen. Und wenn er sich seiner sicher wäre, ohne vorher eine Umfrage machen zu müssen und dich lieben würde...doch du hättest gezögert...?

Aktuelle Lektüre: Stephenie Meyer: "New Moon"

Freitag, 5. Februar 2010

Nuit blanche

Es gibt eine sehr schöne Szene in dem Film "Big Fish" von Tim Burton. Die männliche Hauptfigur trifft zum ersten Mal auf die Liebe seines Lebens, und zwar in einem Zirkus. Genau in diesem Moment meldet sich die Stimme des Erzählers zu Wort: "Man sagt, in dem Moment, in dem man zum ersten Mal auf seine große Liebe trifft, bleibt die Zeit kurz stehen." Das tut sie dann auch und Ewan Mc Gregor räumt unter anderem in der Luft hängendes Popcorn zur Seite, um sich seiner Angebeteten zu nähern. Ganz andere Hindernisse müssen dagegen die beiden Liebenden aus dem wunderschön gestalteten Kurzfilm "Nuit blanche" erleben, doch auch für sie bleibt die Zeit stehen und nichts scheint mehr von Bedeutung zu sein:

Nuit Blanche from Spy Films on Vimeo.



Aktuelle Lektüre: Volker Klüpfel / Michael Kobr: "Seegrund. Kluftingers dritter Fall."

Mittwoch, 3. Februar 2010

Papiergeflüster


Bibliotheken sind was Tolles. Sie beeindrucken schon alleine durch ihre Atmosphäre, durch ihre Gestaltung, durch den ganz besonderen Eindruck, den sie auf einen hinterlassen. Und sie haben einen schönen Vorteil gegenüber den Buchläden: man kann sich solange darin umschauen, wie man will und muss nicht das schlechte Gefühl eines Zwangskaufes verspüren. Comics aller möglichen Genres, Hörbucher, CDs, Musik, internationale Literatur, Heimatbände, Sammelwerke, Lexika, Nachschlagewerke...außerdem riecht es schon ganz eigen. Nach Papier, nach alt, nach muffigem Teppich und ein bisschen nach viele Leute. Und jeder hält sich an diesen Flüsterkodex. In Bibliotheken wird nicht laut geredet, sondern man muss dem Zuhörer ehrfurchtsvoll etwas zuraunen oder ihm ins Ohr flüstern, wenn man etwas zu sagen hat. Denn hier haben die Bücher etwas zu sagen, es sind die Buchstaben und die Seiten, die hier ihre Geschichten erzählen. Da steht ein Senior in der einen Ecke über die neuesten Zeitungsausgaben gebeugt, im Kinderbereich starrt ein kleines Mädchen mit großen Augen in ein Bilderbuch und jemand anderes taucht gerade in die Gedichte von Prévost ab. Bibliotheken sind was Tolles. Ein kleines Vakuum in der Alltagshektik...schön, entspannend, ruhig und still. Solange man seine Signatur findet...:)

Aktuelle Lektüre: Volker Klüpfel / Michael Kobr : "Seegrund. Kluftingers dritter Fall."

Samstag, 30. Januar 2010

Tierisch makaber

Was die britische Künsterlin Polly Morgan da so mit ihren ausgestopften tierischen Freunden anstellt, ist eventuell nichts für zarte Gemüter. Doch ihre Kunstwerke offenbaren eine sehr einzigarte, makabre Ästhetik. Wie man auf ihrer Homepage nachlesen kann, liegt ihre künstlerische Motivation nicht etwa darin, Tiere in ihrem natürlichen Verhalten oder Lebensraum darzustellen, sondern sie vielmehr in einer für sie doch eher ungewöhnlichen Umgebung zu platzieren und somit eine neue Perspektive auf sie zu ermöglichen. So kann zum Beispiel selbst eine Ratte, die normalerweise Ekel und Schauder hervorruft, in einem anderen Rahmen schön und angenehm auf den Betrachter wirken. Stellenweise verstörend, aber auch faszinierend und irgendwie gruselig - und alleine der Sarg, aus dem an allen Ecken und Enden Küken quellen, ist auf jeden Fall ein Hingucker.
Aktuelle Lektüre: John Updike: "Die Hexen von Eastwick"

Donnerstag, 28. Januar 2010

"Invictus" - wie Sport vereint


Wie nah beieinander Sport und Politik doch liegen können, zeigt derzeit der eindrucksvolle Film "Invictus" mit Morgan Freeman und Matt Damon in den Hauptrollen. Nachdem Nelson Mandela nach langen 27 Jahren endlich aus dem Gefängnis entlassen wurde und die Präsidentschaft von Südafrika angetreten hat, muss er noch mit den großen Problemen der Apartheid kämpfen und sieht sich zahlreichen Stolpersteinen ausgesetzt. So scheint es seinen Mitmenschen zu Beginn auch äußerst seltsam, dass sich Mandela neben den politischen Aufgaben auch mit besonders auffallendem Interesse der Rugby-Nationalmannschaft Südafrika, den Springboks widmet. Das Team um Kapitän Francois Pienaar genießt vor allem bei der dunkelhäutigen Bevölkerung keinen besonders guten Status, es gibt bereits Ideen und Pläne, die Gruppe und ihr Zeichen abzuschaffen, sind sie doch alle weiß, mit Ausnahme eines Spielers. Nelson Mandela verhindert nicht nur die Sprengung des Teams, sondern greift der Mannschaft auch besonders unter die Arme, denn schließlich stehen die Weltmeisterschaften an...

Nicht nur Morgan Freeman beeindruckt durch sein leicht großväterliches, weltmännisches und zugleich respektvolles Auftreten, sondern auch die raffinierte Verbindung der sportlichen und der politischen Welt geben "Invictus" einen besonderen Schliff, zumal eine solche Perspektive auf einen der berühmtesten Männer der Welt eine ganz besondere Annäherung an Mandelas große Persönlichkeit ermöglicht. Außerdem hat sich diese Geschichte ja wirklich zugetragen - von Clint Eastwood als Regisseur wurde sie nun filmisch umgesetzt. Zwar klingt an einigen Stellen ein wenig zu viel amerikanischer "you-have-to-fight-for-your-dream"-Kitsch durch, aber noch in erträglichen Maßen. "Invictus" zeigt auf ergreifende Weise, wie der Friedensnobelpreisträger sein Volk durch den Sport zusammenführte und zeigt außerdem auf, wie jung, dynamisch und interessant die Geschichte Südafrikas noch ist. Alleine die Vorstellung, dass Nelson Mandela 27 Jahre im Gefängnis verbrachte und trotzdem mit einer solchen Energie und einem Elan in das Leben jenseits der Gitter zurückkehrte, ist beachtlich. Sehenswert.

Aktuelle Lektüre: John Updike: "Die Hexen von Eastwick"

Freitag, 22. Januar 2010

Pomplamoose auf die Ohren


Es ist immer wieder erfrischend, was man zwischen all den selbsterklärten Gesangstalenten und Fremdschamkandidaten finden kann, die sich mit ihren musikalischen Produktionen auf youtube präsentieren. Die two-man-band Pomplamoose zum Beispiel, bestehend aus dem Pärchen Nataly Dawn und Jack Conte. Während Nataly vor allem für den Gesang zuständig ist und in den eigenhändig geschnitten Musikvideos vor allem mit ihren unschuldig dreinblickenden Augen Eindruck schindet, übernimmt Jack die musikalische Untermalung. In ihren so genannten "Video Songs" zeigen die beiden, wie so ein Song überhaupt zustande kommt und verzichten dabei auf große Effekte: man sieht, was man auch hört. Und sämtliche Instrumente werden von den beiden selbst eingespielt. Heraus kommt eine sehr eigenständige, andersartige und interessante Interpretation von bereits bekannten Hits, doch auch eigens geschriebene und komponierte Songs zählen zu dem Repertoire der beiden Internetmusiker, die mittlerweile auch im realen Leben einige Auftritte genießen durften. Besonders sehens- und hörenswert sind die Neuinterpretationen von "All the single ladies" und von "Beat it". Wem das gefällt, sollte unbedingt noch auf deren Homepage vorbeischauen. Beruhigend, dass es da draußen noch wirklich überzeugende Talente gibt.

Aktuelle Lektüre: John Updike: "Die Hexen von Eastwick"