Samstag, 31. Oktober 2009

Hat's geschmeckt?

Kochshows gibt es schon ewig und sie wollen uns nicht in Ruhe lassen. Alfred Biolek kochte bereits mit zahlreichen Promis, die Kochprofis zeigen unfähigen Gastronomen gerne, wie man richtig und hygienisch Essen zubereitet und dass man das Fett in der Fritteuse auch mal wechseln muss, Jamie Oliver, Alfons Schubeck und Tim Mälzer kochen sich durch das Fernsehprogramm, bei Kerner versucht man auch gerne einmal, sich ein Menü zu zaubern oder die Promiköche bewundern in Shows oder Fernsehmagazinen auch gerne einmal die gekochten und gebackenen Speisen der Normalverbraucher, bloß um dann noch ihren eigenen Senf dazuzugeben oder auf gekonnte Art zu sagen, dass es nicht schmeckt. Dass man den Spieß auch einmal umdrehen kann, zeigt dieser lustige Clip, in dem es um eine witzige und unvorhersehbare Panne bei Tim Mälzers Live-Kochshow geht.



Warum nicht einfach lieber selbst kochen und auf eigene Schnauze loslegen? Infos dazu gibt es genug, etwa auf dem unglaublich gut gestalteten Blog "Our Kitchen", der einem bereits beim Anblick der tollen Fotos einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Wer keine Lust hat, sich mit englischen Rezepten herum zu schlagen und auch wissen will, wie leicht oder wie einfach durchzuführen bestimmte Anleitungen sind, dem seien die Plattformen "Chefkoch" oder "Kochbar" empfohlen. Das hebt eindeutig den Spaßfaktor...

Aktuelle Lektüre: George Sand: "La Mare au Diable"

Schlösser der Loire


Mittlerweile sind hier Ferien und die freie Zeit bietet so einiges zum Entdecken und Erleben in der Gegend. Besonders sehenswert sind hier natürlich die Schlösser an der Loire. Ob Chenonceau, das wunderbar über dem Wasser gebaut ist und eine wunderbare Einrichtung zu bieten hat oder das kleine Schlösschen Valencay - sie alle bestechen auf ihre ganz eigene Weise mit beeindruckenden Bauten, versteckten Kostbarkeiten oder einer sehr schönen und prunkvollen Dekoration.

Chenonceau liegt beispielsweise mitten über dem kleinen Fluss Cher. Hier hielt sich auch Katharina von Medici eine Weile auf und hetzte gegen die Hugenotten, Diane de Poitiers ließ sich einen eigenen Garten anlegen. Francois I war hier oft und nach der Königsära war das Schloss ein Treffpunkt für die Literaten und Künstler. Die Einrichtung ist wirklich sehenswert und man kann von den Katakomben ganz unten, wo es die Küchenräume zu bestaunen gibt, bis ganz nach oben gehen, wo den Besucher prächtig ausgestattete Räume erwarten.

Chambord haut einen dahingegen mit seiner unglaublichen Größe um. "Nur" als Jagdschloss errichtet, beinhaltet es über 90 Räume, hunderte von Kaminen und ein eigenes begehbares Dach, auf dem man wie in einem kleinen Städtchen spazieren gehen kann. Es gilt als das prächtigste der Loire-Schlösser und im geräumigen Inneren kann man sich schon mal schnell verlaufen. Highlight ist die im Inneren befindliche Wendeltreppe, die aus zwei Spiralen besteht, die miteinander verwunden sind. So können sich zwar zwei Menschen, die auf dieser Treppe gehen, sehen, aber sich nicht begegnen. Leonardo da Vinci soll diese Treppe mitgestaltet haben.

Aktuelle Lektüre: George Sand: "La mare au diable"

Mittwoch, 21. Oktober 2009

La première escalade

Autsch, das wird in die Arme gehen, aber Spaß gemacht hat es trotzdem. Heute bin ich mal einem der berühmtesten Klischees der Französischschulbücher nachgegangen und habe live und direkt ausprobiert, wie es sich so macht an der Kletterwand. Schließlich gehen Luc, Julien, Céline und wie alle anderen Charaktere aus der grünen Découvertes-Reihe oder aus anderen Exemplaren heißen mögen, in ihrer Freizeit am liebsten einem ganz bestimmten Hobby nach, das man schon in den ersten Wochen Französischunterricht lernt, wenn es darum geht, sich über Interessen zu unterhalten: "J'aime faire de l'escalade." Das Lycée ist hier sogar mit einer eigenen Kletterwand in der Turnhalle ausgestattet, nach einer kurzen Einweisung, wie man sich in Sachen Sicherheit zu verhalten hat, kann man auch schon loslegen. Holla, das geht ganz schön in die Arme. Man glaubt es kaum aber spätestens nach einer halben Stunde ist, zumindest für so untrainierte Menschen wie mich, Schluss mit lustig und man kann sich nicht mehr auf die Arme verlassen. Spaß gemacht hats trotzdem, ab jetzt wird jeden Mittwoch gekraxelt. Schließlich muss ja irgendjemand in Spidermans Fußstapfen treten ;)

Aktuelle Lektüre: Volker Klüpfl / Michael Kobr: "Erntedank. Kluftingers zweiter Fall."

Montag, 19. Oktober 2009

Magische Sandgeschichte

Was diese Frau kann, ist wirklich der Wahnsinn und absolut sehenswert. Kseniya Simonova ist die Gewinnerin von der Sendung "Ukraine's Got Talent" und das wohl mit Recht. Mit einer beleuchteten Tischplatte, feinem Sand und ihren flinken Händen erzählt sie auf eine ganz eigene Art und Weise eine berührende Geschichte von zwei Menschen, die durch den Krieg voneinander getrennt werden. Mit Recht darf sie sich also eine "Sandkünstlerin" nennen, denn was sie mit den feinen Körnchen zu schaffen mag, verdient wirklich Respekt.



Aktuelle Lektüre: Vokler Klüpfel / Michael Kobr: "Erntedank. Kluftingers zweiter Fall."

Deutscher Jugendliteraturpreis 2009


Es steht fest! Seit letzter Woche sind nun die Gewinner des diesjährigen Deutschen Jugendliteraturpreises auf der Buchmesse in Frankfurt bekannt gegeben worden. Wie jedes Jahr werden mit dieser Auszeichnung die besten Kinder- & Jugendbücher in verschiedenen Kategorien geehrt. Die Preise sind mit Geldpreisen dotiert und außerdem erhält jeder Preisträger eine Statue aus Bronze, die die kleine Momo aus Michael Endes gleichnamigen Roman zeigt. Die Preisträger 2009 sind:

Kategorie Bilderbuch:
"Geschichten aus der Vorstadt des Universums" von Shaun Tan und Dirk Rehm. Mit sehr unterschiedlichen Techniken, Bilder entstehen zu lassen, wie etwa Bleistift, Acryl, Computer oder Buntstift lässt der Zeichner und Künstler Shaun Tan unglaubliche Bilder entstehen, die dem Leser und Betrachter auch außerhalb des Buches Raum und Möglichkeit geben sollen, sich seine eigenen Geschichten auszudenken und das Gelesene und Gesehene weiterzuspinnen.

Kategorie Kinderbuch: Freudige Nachricht für Andreas Steinhöfel, denn der erste Band seiner mittlerweile sehr berühmten Kinderbuchreihe "Rico, Oscar und die Tieferschatten" wurde in dieser Sparte prämiert. Darin geht es um den tiefbegabten Rico, der zusammen mit seiner Mutter in Berlin lebt. Ja, richtig, Rico ist tiefbegabt, braucht ein bisschen länger als die anderen Kinder und ist nicht sehr leicht zu handhaben. Umso spannender wird es, als Rico auf einmal mit dem verrückten Oscar, der stets einen Helm trägt, um sich seinen Kopf nicht zu verletzten, auf spannende Verbrecherjagd kennt. Dabei liefert Andreas Steinhöfel mit gekonntem Sprachwitz und einer deftigen Portion in dieser Form neuem Humor eine unterhaltsame Story aus der deutschen Hauptstadt für Groß und Klein.

Kategorie Jugendbuch: Wieder einmal hat es Kevin Brooks geschafft, dieses Mal mit seinem Roman "The Road of the Dead". Und wieder packt er den jugendlichen Leser durch ein sehr hartes Thema: die Schwester des Hauptcharakters wurde ermordet und nun muss der Täter gefunden werden. Brooks schreibt sehr klar, direkt und scheut sich nicht vor deftiger Sprache. Auch das Thema Gewalt steht hier ganz oben und wird sicherlich noch für Diskussionen sorgen.

Kategorie Sachbuch: Der Preis für das beste Sachbuch geht dieses Mal an Wolfgang Korn und Klaus Ensikat für "Das Rätsel der Varusschlacht". Im Mittelpunkt dieses Werks steht eine Schlacht aus dem Jahre 9 nach Christus, zwischen Varus und Arminius. Korn versucht zu vermitteln, wie man Quellen deuten kann und was dabei zu beachten ist und inwiefern Historiker und Archäologen zusammen arbeiten und stellt auf humorvolle Weise diese beiden so unterschiedlichen Wissenschaften kindgerecht vor.

Preis der Jugendjury: Der Preis der Jugendjury geht dieses Mal an den bereits in England und Amerika sehr erfolgreichen Roman "Die Bücherdiebin" von Markus Zusak. Die Geschichte spielt zur Zeit des Dritten Reichs unter Hitler und berichtet von einem kleinen Mädchen namens Liesel, das sich vor den Nazis verstecken muss und dabei so einige interessante Geschichten erlebt.

Ein sehr vielfaltiges Bild also wieder einmal, inwiefern diese Bücher bei den jungen Lesern ankommen werden, wird sich mit der Zeit zeigen.

Aktuelle Lektüre: Volker Klüpfel / Michael Kobr: "Erntedank. Kluftingers zweiter Fall."

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Das Geheimnis um das Sot-l'y-laisse


Wieder einmal bietet die französische Küche einige Überraschungen, so heute geschehen in der Kantine am Lycée. Wer wüsste denn von den Deutschen wohl auf Anhieb, was das "Sot-l'y-laisse" ist? Ich hätte es jedenfalls nicht gekannt, hätte ich zufällig nicht in den letzten Tagen eine der lustigen Folgen von der deutsch-französischen Sendung "Karambolage" angeschaut, die auf arte kommt und spannende und witzige Informationen über die beiden Länder liefert. So eben auch über besagte Speise. Hinter diesem besonderen Namen verbirgt sich nämlich ein besonderer Teil beim Hähnchen, nämlich ein Fleischstück aus der Schulterpartie. Auf Deutsch nennt man es auch "Pfaffenschnittchen" oder einfach nur Hähnchenfilet. Erfahrungsgemäß schmeißen die Deutschen aber das "Sot-l'y-laisse" in den Mülleimer und schneiden es gar nicht heraus. In Frankreich gönnt sich meist der in der Küche schuftende Koch beim Zerteilen des Hühnchens dieses besondere Stück Fleisch, das sehr zart und lecker ist. Wörtlich übersetzt bedeutet übrigens "Sot-l'y-laisse" in etwa "Ein Narr, wer es sein lässt", also, wer das Fleisch nicht isst, ist selbst schuld. Na dann guten Appetit!

Aktuelle Lektüre: Michael Kobr / Volker Klüpfel: "Erntedank - Kluftingers zweiter Fall"

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Die Pianotreppe

Wer regelmäßig Fernsehen schaut, kann sicherlich bestätigen, dass die Firma Volkswagen sehr gerne auf kreative Werbespots setzt und immer wieder durch lustige Ideen zu begeistern weiß. Das zeigt auch ein neuer Volkswagen-Werbespot aus Schweden. Getestet wurde, ob man Leute davon abbringen kann, statt der Rolltreppe die normale Treppe zu benutzen, wenn man ein wenig Innovation in die Treppe steckt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen:



Aktuelle Lektüre: Fridolin Schley: "Wildes schönes Tier"

Le petit Nicolas - Der kleine Nick


Fast alle kennen ihn hier in Frankreich, fast alle lieben ihn. Ein typischer kleiner Lausbub aus der Schule, entstanden aus der Feder von Asterix-Schöpfer René Goscinny, die Zeichnungen erinnern oft ein wenig an die in Deutschland eher bekannten "Papa-Moll-Bilder". Diese Kinderbuchserie ist im französischsprachigen Raum in fast jedem Kinderzimmer anzutreffen, der Leser begleitet den kleinen Nicolas vor allem in seinem Schulalltag, fährt mit ihm ins Schullandheim oder in den Urlaub. Selbstverständlich strotzt diese witzige Reihe nur so von Klischees und schwankt zwischen der heilen Welt der 60er Jahre und vollkommen überdrehten Charakteren. Von der Mutter, die eigentlich nur da ist, um den Haushalt zu führen, sich aber auch einmal eine Perlenkette aus der Galerie LaFayette wünscht, über den Vater, der in einer Firma mit strengem Chef arbeitet und sich doch auch gerne mal etwas Besonderes gönnen würde, bis hin zum dickbäuchigen gemeinen Lehrer, der in seinem militärischen Ton die Schüler regelmäßig zur Schnecke macht, ist so ziemlich alles dabei. Herrlich auch die Darstellung von Nicks Freunden, Schlaukopf, Streber, Dickwanst, Besserwisser, Macho und reiches Einzelkind, sie alle sind vertreten. Gemeinsam durchleben die Kiddies witzige Abenteuer oder müssen sich in der Welt der Erwachsenen auf ihre ganz eigene Art und Weise Gehör verschaffen, was nicht immer einfach ist.
Jetzt ist der Erfolg aus den Kinderzimmern in die französischen Kinos gekommen und wird sicherlich auch in Deutschland ein Erfolg werden. Die putzige und humorvolle Machart, die Musik, geschliffene Charaktere und eine rasante Geschichte - Nicolas denkt, dass seine Eltern ihm verheimlichen, dass er bald ein Geschwisterchen bekommt und schmiedet Pläne, um dieses Kind nach der Geburt sofort loszuwerden - machen den 90minütigen Film zu einem witzigen Familienspaß. Die Deutschen müssen sich leider noch ein wenig gedulden, der Kinostart ist derzeit für den Februar 2010 geplant. Besonders lustig ist ein Trailer zu dem Film, in dem alle Darsteller behaupten, sie seien der kleine Nick, bevor der wirkliche Darsteller ganz am Ende auftritt. Hier gibt es den offiziellen Teaser zu sehen. Unbedingt vormerken, es lohnt sich!



Aktuelle Lektüre: Fridolin Schley: "Wildes schönes Tier"

Dienstag, 13. Oktober 2009

Der Herr der Fliegen

Tote Fliegen verschwinden meistens sehr schnell im Staubsauger, in einem Stück Kleenex oder sie werden mithilfe von Schaufel und Besen schnell aus dem Haus befördert. Nicht so dieser kreative Künstler, der mit ein paar kleinen toten Mücken, lustigen Ideen und einem Bleistift herrlich skurrile Szenen entwirft - ist einfach köstlich.

Mehr von diesen witzigen Bildchen gibt es hier zu sehen. Wir freuen uns auf noch mehr witzige Ideen.

Aktuelle Lektüre: Fridolin Schley: "Wildes schönes Tier"

Montag, 12. Oktober 2009

Wieder verdrahtet

Eigentlich müsste man ja sogar ein kleines Fläschchen Sekt aufmachen, aber dazu bin ich jetzt zu müde. Denn ich habe endlich wieder Internet und kann von meinem kleinen französischen Appartement aus wunderbar in die weite große Welt hinaus navigieren und kann so auch wieder regelmäßiger und öfter bloggen. Im Moment bin ich aber zu müde, um noch weitere Infos in die Tasten zu hauen. Wer nicht warten kann, sollte sich die Zeit mal mit unserem lieben Guido Westerwelle vertreiben, der sich mit seinen wunderbar ausgefeilten Englischkenntnissen einen Fauxpas nach dem anderen leistet. Sprach er doch zuletzt auf einer Pressekonferenz zuletzt von dem "German Aufschwung", nein, er musste noch an einem anderen Termin einen BBC-Reporter in die Schranken weisen und das ist wirklich äußerst peinlich verlaufen. Aber seht und urteilt selbst.



Aktuelle Lektüre: Fridolin Schley: "Wildes schönes Tier"

Samstag, 3. Oktober 2009

Angekommen

Uff. Geschafft. Gelandet. Im schönen Châteauroux in Frankreich, etwa eineinhalb Stunden südlich von Orléans. Die Stadt ist wirklich sehr nett, hat eigentlich alles, was man so braucht und die Gegend um den kleinen und überschaubaren Ort herum hat wirklich viel zu bieten - Kultur, Theater, Musik, Schlösser, Naturparks etc. Hier gibt es mit Sicherheit viel zu entdecken und zu erleben. Wie auf dem erst neulich beendeten Bitfilm-Festival 2009, bei dem die besten animierten Kurzfilme aus dem Internet in verschiedenen Kategorien, wie "3D Space" oder "Politicool" ausgezeichnet und bepreist werden. Jeder, der sich auf der Homepage anmeldet, kann mitbestimmen, welche der zahlreichen Beiträge gewinnen sollen. Gewinner in der Kategorie "3D Space" ist der nett gemachte, von südamerikanischen Kulturen inspirierte Film "Machu Picchu Post", den es hier zu sehen gibt.



Aktuelle Lektüre: Stieg Larsson: "Vergebung"


Sonntag, 27. September 2009

Aufbruch in die Ferne

Heute geht es los. Koffer und Taschen sind gepackt, sämtliche Dokumente und Ansichtsmaterial für die Französischen Kiddies sind verstaut. Was bleibt, ist Aufregung im Bauch und eine Mischung aus Vorfreude, Nervosität und ein bisschen Verabschiedungsschmerz. Heute Abend wird die französische Grenze überfahren, deutscher Boden erst wieder im Dezember betreten. Was Frankreich so bietet, was es da an Kultur gibt und welche lustigen Geschichten sich dort verstecken, wird hier natürlich zu lesen sein und wir wollen natürlich auch die deutsche Kulturlandschaft nicht außer Acht lassen. Stolpersteine gibt es schließlich genug...

Aktuelle Lektüre: Stieg Larsson: "Vergebung"

Samstag, 26. September 2009

"Der nackte Wahnsinn" im Chambinzky Würzburg


Der Herbst steht vor der Tür, die Tage werden kürzer, das Wetter grauer. Miesewetter lässt glücklichweise noch auf sich warten. Wer vor der anstehenden Winterdepression noch seine Lachmuskeln auf Vordermann bringen will oder schon lange mehr kein urkomisches Theaterstück besucht hat, sollte sich unbedingt die Komödie "Der nackte Wahnsinn" im Chambinzky-Theater Würzburg ansehen.

Autor Michael Frayn schrieb eine Komödie über die Komödie, die Regisseur Johannes Friesenegger mit einem unglaublichen Einsatz, der sich sehen lassen kann, temporeich und unheimlich witzig inszeniert hat. Hut ab vor dem stimmigen und teamfähigen Ensemble, sich durch eine solch verknotete und verwirrende Story mit sieben (!) zu öffnenden und zu schließenden Türen, allerlei Krimskrams und einer um 180° drehbaren Bühne zu kämpfen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und wer gerne lacht, sollte vor der Vorstellung noch mal aufs Klo gehen, denn die abgefahrene Handlung hat es in sich: die Nerven liegen total blank bei Regisseur Lloyd Ferdinand Dallas (immer wieder gern auf Würzburgs Kleinbühnen gesehen: Wolfgang Stenglin), denn sein Stück "Nackte Tatsachen" hat in ein paar Stunden Premiere und irgendwie scheint noch gar nichts zu klappen, von den Auf- & Abgängen angefangen bis hin zu den privaten Wehwechen der einzelnen Schauspieler. Liebesgeschichten, private Probleme, eine Flasche Whiskey und einige falsch vergebene Blumensträuße sind nur ein kleiner Teil in dem riesigen Chaos, das sich dem Zuschauer bietet und der quasi ein Stück im Stück miterleben darf, das im zweiten Akt sogar von der Rückseite des Bühnenbildes zu bewundern ist, dadurch aber nicht weniger lustig ist; im Gegenteil, es kommt immer noch schlimmer als man eigentlich denkt. Dabei belustigt und erheitert jeder Charakter auf seine eigene, bezaubernde Weise: Talia von Bezold als divenhafte Dorothea "Dotty" A. Weißmantl, die durch ihren charmanten fränkischen Akzent auf der Bühne auf der Bühne (nein, stimmt wirklich, nicht verschrieben) begeistern kann, Hubertus Grehn als jovialer Garry Lejeune und Norbert Straub als schwäbisch schwätzender Einbrecher. Überraschend komisch und immer wieder für einen Lacher gut ist das Gespann Siegfried Kockert und Monika Schiefer: geben sie beide auf der Bühne auf der Bühne mit großen Tönen das sehr von sich überzeugte Liebespaar, so ist sie im wahren Leben hibbelig und schwatzhaft und hüpft mit Goldkettchengeklimper über die Bühne, während er mit hoher Stimme und schüchterner Art kaum einen Ton herausbringt. Ergänzt wird die gut durchdachte, goldig besetzte Truppe durch die dümmlich-naiv-nette Mia von Ahlbeck und Valentina Beyer und Philipp Roswora, die als Regieassistenz und unbeholfener Praktikant in dem ganzen Chaos mitmichen.

Wer selbst schon einen durchaus anstrengenden Probenmarathon hinter sich hatte, selbst Theater spielt oder macht oder sonst mit Probensituationen zu tun hatte, wird in den überspitzt dargestellten Problemchen und Tücken einiges wieder erkennen, aber auch Zuschauer mit weniger Bezug dazu kommen hundertprozentig auf ihre Kosten. Regisseur Johannes Friesenegger hat jedenfalls ganze Arbeit geleistet und die sicherlich nicht einfach umzusetzende Komödie mit sehenswerten Ideen, Liebe zum Detail, ordentlich Schmackes und einer goldigen Charakterformung auf die Beine gestellt. Bei dieser charmanten und turbulenten Farce über die Farce bleibt sicherlich kein Auge trocken und wer "Der nackte Wahnsinn" noch nicht gesehen hat, sollte diese Kultkomödie im Chambinzky unbedingt ansehen. Karten sind sehr schnell weg, also zugreifen! Das Stück läuft noch bis einschließlich 31.10. Ich selbst mach mir jetzt eine Dose Sardinen auf...


Aktuelle Lektüre: Stieg Larsson: "Vergebung"

Donnerstag, 24. September 2009

"Maria Stuart" in der werkstattbühne Würzburg


Schillers "Maria Stuart" in der Kammer? Geht das denn? Ja, es geht, beweisen derzeit Regisseur Hermann Drexler und seine Truppe in der werkstattbühne Würzburg. Auf kleinem Raum und für die Zuschauer in den Reihen des engen Kellergewölbes fast zum Greifen nah wird der berühmte Stoff um den Konflikt der beiden englischen Königinnen Maria Stuart und Elisabeth von England in einer sehr sehenswerten Inszenierung gezeigt. Ordentlich zusammengestrichen, mit einer minimalen Anzahl an Requisiten und Kulissen, dafür aber mit einem gut und passend besetzten Ensemble kann das Stück, modern aufgepeppt aber glücklicherweise nicht pseudo-zeitgemäß umgesetzt, durch originelle Einfälle und Interpretationen begeistern. Noch eben tanzt Maria Stuart unbefreit auf dem Bürostuhl, einem der wichtigsten Elemente der Bühne, Fesselort für Maria zum einen, Thron für Elisabeth zum anderen, da wird sie überwältigt und auf den Stuhl gefesselt. Zusammen mit Mortimer und dem später eingeweihten Graf von Leceister beginnt Maria, um ihre Unschuld und ihr Leben zu kämpfen. Angela Leupold als Maria und Bettina v. Hindte als Elisabeth ergeben nicht nur rein optisch bereits ein sehr interessantes Gegensatzpaar an Königinnen, sondern auch stimmlich und schauspielerisch, wobei jede auf ihre eigene Art zu überzeugen weiß. Bernd Stollberger gibt den am Ende scheiternden Mortimer sehr emotional und ergreifend, Patrick Obrusnik und Stephan Ladnar liefern ein stimmiges, aber facettenreiches und sehenswertes Bild der männlichen Hauptfiguren. Wie jeder weiß, kann Maria Stuart nichts mehr retten. Am Ende bleibt eine um Fassung ringende Elisabeth, die auf einmal ganz alleine in ihrem Büro steht...Schiller mal als Thriller - noch bis 21. November in der Werkstattbühne.

Aktuelle Lektüre: Stieg Larsson: "Vergebung"

Dienstag, 22. September 2009

Wide open spaces

Endlich ist der Papierkram vollständig, die letzten Dokumente da, die ganzen Karten, Flyer, Prospekte und Ansichtsmaterialien geordnet und verpackt. Wörterbücher, Nachschlagewerke und die bisher kaum gefüllte Dunkin'-Donuts-zu-einer-Vokabelschachtel-umfunktionierte Box sind auch schon in der Kiste. Klamotten folgen am Wochenende. Der Tag der Abreise rückt immer näher und allmählich rührt sich da so ein komisches Gefühl in der Magengegend, eine Mischung aus Angst, Aufregung, Sentimentalität, Nervosität und Melancholie. Es geht raus, es geht nach draußen, es geht auf in eine unbekannte Fremde. Wide open spaces. Room to make your own mistakes...if these are life's lessons, you'll take this test.



Aktuelle Lektüre: Stieg Larsson: "Vergebung"


Mittwoch, 16. September 2009

Fulda

Am Wochenende durfte ich in den Genuss kommen, die schöne Domstadt Fulda kennen zu lernen. Die ist wirklich sehr schön und wäre auch eine coole Unistadt, in der es sich aushalten ließe. Neben einer echt gemütlichen Altstadt mit urigen Cafés und Kneipen begrüßt einen außenherum die erholsame Landschaft der Rhön - perfekte Kulisse für idyllische Heimatfilme. Auch das Nachtleben musste erkundet werden, tagsüber lädt der Schlosspark mit passendem Rahmen (eine Konstruktion, in die man sich stellen kann, um coole Fotos zu machen) zum Pausieren ein. Was man in Fulda machen sollte:

- die schöne Altstadt-Apotheke besuchen
- sich in den Rahmen im Schlosspark stellen und lustige Bilder machen
- in den Dom gehen und die Bonifazius-Gruft angucken. Bonifazius gilt übrigens als "Apostel der Deutschen". Außerdem gibt es über dem Altar Darstellungen der vier Evangelisten, von denen einer einen dreidimensionalen Fuß hat. Es sieht fast aus, als wäre dahinter jemand eingemauert...
- raus aufs Land fahren
- studentisch essen im "Academia"
- an einem Schoppenturnier mitmachen, wenn möglich
- im Stadtwächter ein Apfelbier trinken
- eine Postkarte schreiben
- die alte und urige Michaelskirche anschauen, die ist sehr interessant und mit eine der ältesten Kirchen Deutschlands
- im "Rädchen" einen Kaffee trinken
- in der Altstadt den UBoot-Führerschein machen (wird recht prozentig)
- Spazierengehen, um einen schönen Ausblick auf die Stadt zu haben (von einem Berg aus)

Aktuelle Lektüre: Stieg Larsson: "Vergebung"

Dienstag, 15. September 2009

Goodbye Patrick

Er hat eine ganze Generation von Frauenherzen dahinschmelzen lassen und tut es zumindest immer noch, wenn "Dirty Dancing" im Fernsehen ausgestrahlt wird. Recht cool war er übrigens auch in einer seiner letzten sehenswerten Rollen, dem Episodenfilm "11:14" mit Hilary Swank sowie natürlich dem Hammerkultfilm "Donnie Darko". Daher noch einen der schönsten Songs aus "Dirty Dancing"...



Aktuelle Lektüre: Stieg Larsson: "Vergebung"

Fernsehen mit Ehrensenf

Schon mal von "Ehrensenf" gehört? Nein? Dann sollte man das schleunigst ändern, denn man kann "Ehrensenf" nicht verpassen, man kann nur noch nicht dazu gekommen sein, es gesehen zu haben. Hinter dem Namen verbirgt sich eine Fernsehserie aus dem Internet, die jeden Tag in etwa vier Minuten mal bissig, mal humorvoll, mal sarkastisch, mal galant und auf jeden Fall immer unterhaltsam Kurioses, Wissenswertes, Interessantes und Schockierendes aus der Welt der Nachrichten und des Internets verbreitet. Die Sendung hat das amerikanische Format "Rocketboom" als Vorbild und hat schon einige kleine Preise eingeräumt. Vorbeiklicken lohnt sich auf jeden Fall...und "Ehrensenf" wandert der Ehre wegen auch schon mal nach rechts in meine Linkliste...

Aktuelle Lektüre: Stieg Larsson: "Vergebung"


Judith Hermann las im Schloss


Wer aufmerksam die Regionalzeitung gelesen hatte und ein wenig literaturinteressiert ist, dem ist sicherlich nicht entgangen, dass Judith Hermann sich gestern im Bad Mergentheimer Deutschordensschloss im Roten Saal die Ehre gegeben hat, aus ihrem neuen, mittlerweile dritten Buch "Alice" vorzulesen. Die 39jährige Berlinerin wurde 1998 mit ihrem Buch "Sommerhaus, später" auf einen Schlag berühmt, ihr Werk wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Literaturförderpreis der Stadt Bremen und dem Kleist-Preis. 2003 kam ihr zweites Buch heraus, "Nichts als Gespenster", das in Auszügen auch für das Kino verfilmt wurde. Jetzt ist sie wieder da, mit einem neuen Buch, "Alice".

Was Judith Hermann so grandioses gelungen ist, ist erst einmal die Tatsache, dass sie es überhaupt geschafft hat, in so einem Genre wie Kurzgeschichten in Deutschlanf Fuß zu fassen. Während im angelsächsischen Raum die so genannten "Short Stories" sich großer Rezeption erfreuen, sind die Deutschen noch eher Romanleser und wagen sich selten an die kleinen, in sich abgeschlossenen Erzählungen, die sich oft nur über wenige Seiten erstrecken. Glücklicherweise gelang es in letzter Zeit immer wieder einigen Autoren, diese Sparte ein wenig wieder zu beleben, darunter beispielsweise Miranda July mit ihren "Zehn Wahrheiten", übrigens großartig und unbedingt zu empfehlen. Hoffen wir, dass es noch mehr mutige Schreiberlinge geben wird, die sich an diese Sparte der Literatur wagen!

Leise, eindringlich, sanft und mit einer sprachlichen Nüchternheit, die einen umgehauen hat, wusste Judith Hermann aus ihrem Buch vorzulesen. Gerade ihr Auge für das Detail und die Fähigkeit, Dinge auszudrücken, indem sie nicht darüber spricht, ist irgendwie unheimlich und weiß zu begeistern. In ihren Geschichten in dem Buch "Alice" geht es jeweils um den Tod einer Figur, einziges Bindeglied zwischen diesen ganzen Geschichten ist die Hauptfigur Alice, die damit klar kommen muss, dass die Menschen um sie herum sterben. Wie nimmt man so einen Moment denn in sich auf? Was bleibt von dem, der gehen muss? Wie kommt man mit diesen zwei Zeitebenen zurecht - auf der einen Seite bleibt die Zeit für den Sterbenden stehen, während auf der anderen Seite das Leben einfach weitergeht? Ungemein plastisch und greifbar lies Judith Hermann in ihrer zweiten Geschichte "Konrad" einen anfangs idyllischen Italienurlaub durch den Tod eines alten Freundes aus der Bahn geraten - Alice schwimmt am Ende der Geschichte im kalten See, sie "verliert den Boden unter den Füßen".

Judith Hermann machte Lust auf mehr (ich hab jetzt auch ein signiertes Exemplar ihres Debütwerkes, *freu*) und wusste auch bei der anschließenden Fragerunde auf eine verständliche und nachvollziehbare Art und Weise von ihrem Schreiben und ihrem Denken zu berichten. Ein bereichender Abend.

Aktuelle Lektüre: Stieg Larsson: "Vergebung"

Donnerstag, 13. August 2009

Es darf gezwitschert werden - auf twitter

Nach langem Rumüberlegen habe ich mich jetzt doch mal bei der Plattform "twitter" eingetragen, weil ich einfach neugierig war und mal sehen wollte, was dahinter steckt. Mich hat schon alleine das Design angesprochen und die Aufmachung und somit bin ich jetzt seit gestern Mitglied bei twitter. Twitter ist so eine Art Kurzinformationsprogramm und man kann sich bei anderen Leuten anmelden und somit immer sehen, was sie gerade schreiben. Funktioniert in etwa so wie der Buschfunk bei studiVZ, nur dass man sich aussuchen kann, von wem man diesen Buschfunk empfängt und von wem nicht. Neben Privatpersonen sind auch Prominente und große Magazine und Zeitungen vertreten, man kann sich also durch kurze Nachrichen auch prima informieren und wenn es einem nicht gefällt, hört man eben auf, dem Kontakt weiterhin zu folgen. Auch regionale Veranstaltungen sind teilweise vertreten, unter anderem auch der Verlag "stellwerck" aus dem schönen Würzburg und man erfährt gleich, wann die nächste Veranstaltung ist. Wer neugierig geworden ist, kann sich ja mal bei twitter einloggen...

Aktuelle Lektüre: Sue Monk Kidd: "Die Bienenhüterin"